Frauenquote, familienfreundliche Arbeitszeiten – derzeit wird viel darüber diskutiert, wie deutsche Unternehmen mehr Chefinnen bekommen können. Eine führende Landespolitikerin fordert nun von den Frauen, sich selbst mehr zuzutrauen.

Magdeburg (dpa). In der Debatte um mehr Frauen in Führungspositionen hat Sozial-Staatssekretärin Beate Bröcker (SPD) von den Frauen gefordert, stärker ihren Karrierewillen zu bekunden. "Die Frauen müssen sich selbst auch etwas zutrauen und etwas dazutun, damit sie sichtbarer werden mit ihren Qualitäten und Qualifikationen", sagte Bröcker. "Man kann nicht darauf warten, dass der Chef entdeckt, ,Mensch, da sitzt doch seit Jahren ... und das könnte eine gute Führungsfrau sein.‘ Die Frauen müssen zeigen, dass sie etwas wollen." Sie müssten aber auch mehr ermutigt werden.

Bröcker erwartet auf der anderen Seite, dass sich bei den Unternehmen die Einsicht durchsetzt, dass es viele gut qualifizierte Frauen gibt, die in der Lage sind, Führungspositionen zu besetzen. "Das ist nichts, was man aus Mitleid oder sozialem Engagement macht, sondern es ist ein wirtschaftliches Kalkül, bei dem man am Ende feststellt, es lohnt sich auch." Hinzu komme: "Wir haben gerade in Sachsen-Anhalt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch die Notwendigkeit, dass wir auf keine dieser gut ausgebildeten Frauen verzichten können." Bröcker ist derzeit auch Landesbeauftragte für Gleichstellung und Frauenpolitik.

Die heutigen Führungskräfte in den Unternehmen müssten genau gucken, was sie tun könnten, um die Frauen zu motivieren und dazu zu bringen, dass sie sich einen solchen Job zutrauen. Sie müssten mit den Frauen sprechen und klären, welche Bedingungen sie bräuchten. Dabei gehe es etwa um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Das ist etwas anderes als bei Männern, die überhaupt keine Grenzen haben, sich abends auch noch mit all ihren Geschäftspartnern auf ein Bier zu treffen oder zum Golfen. Das ist für Frauen mit Familie natürlich schwieriger." Das müsse aber kein Entweder-Oder bedeuten.

Laut Bröcker haben in Sachsen-Anhalt prozentual mehr Frauen eine Führungsposition in Unternehmen inne als im Bundesdurchschnitt. Hierzulande hätten sie einen Anteil von knapp 28 Prozent, deutschlandweit seien es nur rund 16 Prozent. "Das heißt, im Land haben die Unternehmen im Durchschnitt mehr Frauen in Führungspositionen. Aber das reicht nicht." Das könne daran liegen, dass in den vergangenen 20 Jahren viele Funktionen neu zu besetzen gewesen seien, aber auch an einer größeren Offenheit Frauen gegenüber. "Erfahrungen mit Frauen in Führungspositionen muss man auch erst einmal zulassen", sagte die Staatssekretärin.