Magdeburg. Sie ist zwischen 1,5 und 3 Zentimeter lang, liebt die Sonne und betet sie an. Gern geschah das auch im Schotterbett der alten Gleise auf dem einstigen Elbbahnhofsgelände in Magdeburg. Auf der Eisenbahnbrache fühlte sie sich pudelwohl. Die Rede ist von der Blauflügeligen Ödlandschrecke.

Sie sorgt dort seit 2003 bis heute für viel Wirbel. Denn nach Ortung des geschützten Insekts scheiterte nicht nur der Schwarzdeckeneinbau auf einem dort geplanten Großparkplatz mit 350 Stellplätzen. Mit fast zwei Jahren Verspätung wurde der Platz erst 2006 eröffnet. Statt Schwarzdecke wurde lockerer Schotter eingebaut. Kosten: 175000 Euro.

Vorteil für die geschützte Schrecke: Sie hat den für die Ei-Ablage bevorzugten Schotter. Nachteil für die Menschen: Sie benötigen nach jedem Regen, nach jedem Tauwetter Gummistiefel, um Riesenpfützen zu durchqueren. Konsequenz: Der Platz nahe der neuen Sternbrücke, der Rotehornparkbesucher auffangen und den Autoverkehr in der grünen Oase reduzieren soll, wird eher gemieden.

Aber auch die Blaugeflügelte schreckte offenbar das ständige Zwangsabtauchen in den Regenpfützen ab. Bei einer kürzlichen Nachkontrolle wurde kein einziges Exemplar auf dem Parkplatz mehr entdeckt. Abgewandert! Jetzt, nach mehr als sieben Jahren, scheint der Weg frei fürs Bauamt. Das teure Schotterbett der Schrecke soll beseitigt und Schwarzdecke eingebaut werden – wenn Geld dafür da ist.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Man darf gespannt sein. Denn das Magdeburger Umweltamt will noch einmal kontrollieren. Vielleicht taucht die eine oder andere Schrecke doch wieder auf?