Magdeburg. Das Hegel-Gymnasium Magdeburg gehört zu den rund 20 Schulen dieser Art in Sachsen-Anhalt, an denen ein Schulprojekt zur DDR-Geschichte fester Bestandteil des Geschichtsunterrichtes ist. Die Lehrerin Susanne Jakuszeit hat sich dafür den 6. und 7. Juli schon fest im Kalender vorgemerkt. An diesen Tagen kommt Lothar Tautz vom Bundesverein "Gegen Vergessen – Für Demokratie" zu den Schülern von vier 10. Klassen und spricht mit ihnen über die DDR. Das erfolgt im Rahmen der "Schulprojekte DDR-Geschichte 2011", die von dem Verein, einem Projektbüro und der Behörde des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Sachsen-Anhalt seit 2004 organisiert werden.

"Für das Schulprojekt zur DDR-Geschichte werden in den 10. Klassen immer zum Schuljahresende drei Tage genutzt", erklärt Susanne Jakuszeit. Einen Tag verbringen die Schüler in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, einen Tag im ehemaligen Stasi-Gefängnis am Moritzplatz in Magdeburg, und am dritten Tag kommt Lothar Tautz mit seinem Medienkoffer mit Büchern und Filmen über die DDR. Diese Begegnung sei für die Schüler stets von besonderem Interesse, sagt die Lehrerin. "Hier können sie ihr eigenes Wissen mit den Aussagen des Zeitzeugen vergleichen, die ja sehr authentisch sind." Das sei sehr wichtig, weil vielfach der Blick auf die DDR-Vergangenheit von Eltern und Großeltern verklärt werde.

Lothar Tautz bestätigt das im Gespräch mit der Volksstimme. "Die Schüler haben Interesse an dem Thema DDR und in den meisten Fällen auch ein Wissen über den Staat, aber das Wissen ist familiär gefärbt und wenig geordnet", sagt der Theologe, Pädagoge und DDR-Bürgerrechtler. Der heute 60-Jährige war 1968 wegen des Einmarsches der Russen in Prag aus der SED ausgetreten und hatte seitdem unter Repressalien zu leiden. Er wisse also, wovon er spreche, wenn er die DDR als Unrechtsstaat darstelle.

Es bringe jedoch nichts, weiß Tautz aus Erfahrung, wenn man 90 Prozent der Doppelstunde die DDR nur schlecht- rede. "Die Leute haben es sich auch schön gemacht, in Nischen gelebt, und auch ein flottes Jugendleben gab es." Das alles dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die DDR eine Diktatur war, in der Menschenrechte verletzt worden sind und versucht wurde, jede Opposition im Keim zu ersticken. "Diesen Zusammenhang zu zeigen, ist Aufgabe des Zeitzeugen."

Die Stasi-Unterlagenbehörde bemühe sich erfolgreich, das Auftreten von Zeitzeugen im Zusammenwirken mit den Opferverbänden so wirkungsvoll wie möglich zu gestalten, sagt Tautz. "Zeitzeugen sind oft schon sehr alt und haben nicht immer die notwendigen pädagogischen Fähigkeiten." Es bedürfe deshalb Moderatoren wie ihn, die als Vermittler zwischen den Zeitzeugen und den Schülern wirken. Dass er und viele andere Zeitzeugen immer wieder von den Schulen eingeladen werden, zeige, dass mit den "Schulprojekten DDR-Geschichte 2011" in Sachsen-Anhalt ein richtiger Weg gegangen werde. Meinung