Halberstadt. Ein 22-Jähriger Halberstädter erhebt schwere Vorwürfe gegen den Rettungsdienst des Landkreises Harz und das Ameos-Klinikum St. Salvator Halberstadt. Der junge Mann wurde am Abend des 4. Februar in der Halberstädter Innenstadt von mehreren Jugendlichen mit Faustschlägen und Fußtritten am Kopf schwer verletzt. Über Handy rief ein zu Hilfe geeilter Freund die Notrufnummer 112 an, doch der Sanitäter weigerte sich, den Schwerverletzten ins Krankenhaus zu fahren; mit der Begründung, das Opfer sei jung, könne zu Fuß gehen oder sich ein Taxi nehmen. Außerdem koste ein Rettungseinsatz 35 Euro, das sei mehr als die Kosten für Taxi und Krankenhausgebühr zusammen. Mithilfe seines Bekannten begab sich der junge Mann zu Fuß ins Krankenhaus.

Der Notarzt diagnostizierte nach dem Röntgen des Schädels ein leichtes Schädelhirntrauma und einen gebrochenen Kiefer. Trotz der Bitte, über Nacht im Krankenhaus bleiben zu dürfen, weil er starke Kopfschmerzen habe, wurde der Patient zu Fuß nach Hause geschickt. Erst morgen sei ein Kieferchirchurg in der Klinik, der ihn operieren könne, so der Arzt.

Die Operation erfolgte am darauffolgenden Sonnabend, dem Verletzen wurde eine Kieferschiene eingesetzt. Er ist für mehrere Wochen krankgeschrieben.

Der Leiter der Einsatzstelle des Landkreises Harz, Kai-Uwe Lohse, hat den Vorfall untersucht und auf Anfrage der Volksstimme "tief bedauert". Lohse bestätigte das fahrlässige Verhalten des Sanitäters und kündigte disziplinarische Konsequenzen an.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Dr. Klaus Begall, zeigte sich ebenfalls "betroffen". Er verwies jedoch auf die ärztliche Kompetenz bei der Entscheidung über eine stationäre Aufnahme und auf "strenge Kriterien der Krankenkassen", die dabei beachtet werden müssten.