Halberstadt (dapd). Der Bucheinband des mehr als 200 Seiten umfassenden Musenalmanachs von 1788 misst sieben mal zehn Zentimeter. Er erschien damals in einer Auflage von 300 Exemplaren und enthält Verse zeitgenössischer Autoren. Wer das Büchlein vor einigen Jahren zu sehen bekommen habe, dem sei bange geworden, erinnert sich die Bibliotheksleiterin Annegret Loose vom Halberstädter Gleimhaus. Durch einen Wasserschaden war es von Pilzen befallen, das Papier wellte sich und das Leder des Einbands zeigte Beschädigungen. Inzwischen ist der Almanach restauriert und wieder nutzbar. Möglich wurde das durch eine Buchpatenaktion des Gleimhauses, das zu den ältesten deutschen Literaturmuseen zählt.

Direktorin Ute Pott sagt, von den 30 ausgewählten Titeln seien bereits 11 mit Hilfe privater Sponsoren seit 2006 restauriert worden. Die Kosten für eine Restaurierung beziffert sie auf 200 bis 2.000 Euro.

Ingeburg Stoyan aus dem 20 Kilometer entfernten Dardesheim entdeckte den Musenalmanach auf der Internetseite des Gleimhauses. "Nur aufgrund des Bildes habe ich mich dafür entschieden", sagt die Seniorin mit einem Faible für Literatur und Kunst. "Die rund 300 Euro lagen gerade in meinem Budget und so habe ich mich entschlossen, die Kosten für die Wiederherstellung zu übernehmen." Das Ergebnis stelle sie mehr als zufrieden.

Meist sind es Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, die der Bibliothek des Gleimhauses zu schaffen machen. Ende der 1990er Jahre kamen 900 der 1400 als vermisst geltenden Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zurück. Alle waren nach Kriegsende von der Roten Armee als Beutekunst in die Sowjetunion und von dort in einzelne Landesteile gebracht worden. Armenien und Georgien trennten sich wieder davon. "Wir sortierten mehrere Tage aus den zahllosen Kisten einen Teil unserer Stücke aus", erinnert sich Loose. Die eindeutige Signatur mit roten Zahlen erleichterte die Arbeit. Es machte "riesigen Spaß", die verloren geglaubten Drucke wieder in den Händen zu halten. Feuchtigkeit und mechanische Schäden überwogen bei den problematischen Exemplaren. Andere bedurften nur einer Reinigung und konnten relativ schnell wieder ins Bibliotheksregal gestellt werden.

Im Regal der nach Paten suchenden Bücher findet sich noch die "Vermehrte Newe Beschreibung der Moskowitischen und Persianischen Reyse" von 1656. Loose legt den Titel vorsichtig auf den Tisch. Der Einband hat sich vom Rücken gelöst, zwei Karten sind beschädigt. Schon allein wegen des Bezugs zur Region wünscht sie sich baldmöglichst eine Spende dafür. Autor ist der Literat, Diplomat und Landeskundler Adam Olearius – 1603 in Aschersleben geboren.

Die Bibliothek war bis zu Gleims Tod auf 15 000 Bände angewachsen, von denen auf seinen Wunsch hin 5000 Bände verkauft wurden. Trotz der Verluste im Zweiten Weltkrieg – nahezu 1500 Exemplare gingen verloren – wuchs der Bestand inzwischen durch Ankäufe auf etwa 12 500 Bücher an. Damit zähle die Gleimbibliothek zu den größten erhaltenen bürgerlichen Büchersammlungen des 18. Jahrhunderts und damit der Zeit der Aufklärung, sagt Pott.

www.gleimhaus.de