Der Castor-Transport mit rund 56 Tonnen Atommüll soll heute gegen 16 Uhr bei Bad Kösen die Landesgrenze Sachsen-Anhalts erreichen. Sollte es nicht zu größeren Zwischenfällen kommen, wird die Fahrt des Zugs mit den fünf Behältern durch Sachsen-Anhalt etwa sechs Stunden dauern.

Magdeburg. Torsten Henkel, Pressesprecher der zuständigen Bundespolizei im sächsischen Pirna, hielt sich gestern bedeckt: "Wir wollen weder etwas zur Stärke der Einsatzkräfte noch zur Route des Castor-Zuges sagen." Man wolle so verhindern, dass der Transport gezielt gestört werden könne.

Dass die Furcht vor militanten Angriffen auf die fünf Behälter mit den 60000 Litern festgebundener "Atomsuppe" nicht aus der Luft gegriffen ist, haben die Vorkommnisse beim Transport Mitte Dezember des vergangenen Jahres gezeigt. Damals waren auf der Strecke Magdeburg – Dessau – Leipzig Weichen und Signale beschädigt worden. Besonders betroffen waren der Bahnhof Magdeburg-Neustadt und die Strecke Schönebeck – Magdeburg.

Im Vorfeld des aktuellen Transports waren an einer Havelbrücke bei Oranienburg zwei Sprengsätze gefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass sie im Zusammenhang mit dem Atommüllzug stehen.

Nach Volksstimme-Informationen wird der aktuelle Transport erneut über Naumburg, Halle, Schönebeck, Magdeburg, Stendal und Osterburg fahren. Ob in Magdeburg wiederum die Lokomotive gewechselt wird, ist noch offen.

Rund 800 Polizisten aus Sachsen-Anhalt werden das Umfeld des Transports sichern, war gestern zu erfahren. Die Leitung des Unternehmens "Castor" liegt jedoch in den Händen der Bundespolizei, die den Zug direkt begleitet und die Bahnanlagen bewacht. Es gibt Hinweise darauf, dass Atomkraftgegner auch die Strecke durch Sachsen-Anhalt an mehreren Stellen blockieren wollen.

Bereits vor der Abfahrt des Transports von der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe war es gestern zu Verzögerungen gekommen. 30 Greenpeace-Aktivisten waren gegen vier Uhr an die beiden Ausfahrtstore 3 und 4 vorgedrungen, wo Dienstagabend der Castor-Transport nach Lubmin bei Greifswald starten sollte.

In der Dunkelheit ketteten sich zunächst elf Aktivisten an das Tor 3. Gleichzeitig kamen weitere Greenpeace-Leute mit einem Lkw angefahren und platzierten einen etwa vier Meter langen und zwei Meter breiten Container direkt auf das Ausfahrtgleis am Tor 4.

Am Donnerstag sollen die fünf Behälter mit der strahlenden Fracht aus einer seit Jahren stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage im Atommüllzwischenlager Lubmin eintreffen.