Magdeburg (wb). Differenziert hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu Einschätzungen von Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) über das Schulsystem im Land geäußert. GEW-Landeschef Thomas Lippmann sagte gestern, Wolff habe "viel Zutreffendes über die Probleme und Zustände gesagt. Über vieles lohne das Nachdenken, manche Überlegungen seien "ohne weiteres zu unterstützen".

Wolff hatte im Volksstimme-Interview die Eltern zu Engagement für ihre Kinder aufgerufen und vor überhasteten Reformen der Schulstruktur gewarnt.

Ihre Verteidigung des gegliederten Schulsystems stößt bei der GEW auf Kritik. Lippmann: "Wenn es um den Nachweis der Auswirkungen von Schulstrukturen auf die Leistungen der Schüler und die soziale Spaltung geht, wird einfach der Kopf in den Sand gesteckt." Internationale Vergleichsstudien hätten gezeigt, dass die negative Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft umso größer ist, je früher die Schüler auf Bildungsgänge mit unterschiedlichem Anspruchsniveau aufgeteilt werden. In Deutschland sei dies so stark wie in kaum einem anderen untersuchten Land der OECD.

Lippmann: "Es muss gefragt werden, was wir den Kindern mit der frühen Aufteilung zumuten, vom Zerreißen von Schülerfreundschaften bis hin zu Versagenserfahrungen und der Vergeudung von Lebenszeit."