Nach der Pleite der Agenda Glas AG Gardelegen droht dem Land ein Millionenschaden. Nach Volksstimme-Informationen war die 50-Millionen-Euro-Investition mit hohem Anteil öffentlicher Mittel unterstützt worden – bei minimalem Eigenkapital.

Magdeburg/Gardelegen. Nachdem das 150-Mitarbeiter-Unternehmen am Dienstag Insolvenzantrag gestellt hatte, lehnte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerium gestern jegliche Auskünfte zu finanziellen Verpflichtungen des Landes ab. "Das fällt alles unter den Datenschutz", sagte eine Sprecherin. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) könne wegen anderweitiger Termine zum Fall nicht Stellung nehmen.

Das erst seit 2009 produzierende Glaswerk, das unter anderem Flaschen für "Jägermeister" und "Wodka Gorbatschow" herstellte, hatte am Dienstag Insolvenzantrag gestellt. Grund: rote Zahlen wegen hoher Ausschussquote.

Am Mittwoch hatte das Wirtschaftsministerium lediglich bekannt gegeben, dass von rund 50 Millionen Euro Investitionssumme etwa 10,2 Millionen Euro durch Fördermittel des Landes aufgebracht worden seien.

Allerdings werden die Folgen der Pleite für die öffentliche Hand wohl weit über diesen Betrag hinausgehen. Aus Unterlagen, die der Volksstimme vorliegen, geht hervor, dass allein die Gesamtsumme direkter öffentlicher Mittel etwa 30 Millionen Euro beträgt. Die Landesfördermittel sollen demnach 13 Millionen Euro betragen. Hinzu kommen 10 Millionen Euro staatliche Investitionszulage. Über Darlehen und Beteiligungen der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, der Investitionsbeteiligungsgesellschaft und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt sind den Unterlagen zufolge weitere 7,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden.

Noch einmal 22,6 Millionen Euro flossen demnach als Kredite in das Glaswerk, davon 17,6 Millionen Euro von der NordLB und 5 Millionen Euro von der Sparkasse Altmark West. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas Flöther bürgt das Land für die Rückzahlung von Krediten in Millionenhöhe. Der offizielle Eigenanteil der Glaswerk-Inhaber soll 4,2 Millionen Euro betragen haben, davon aber nur 200 000 Euro in bar, der Rest als Gesellschafterdarlehen.

Flöther sagte, er sei optimistisch, den Betrieb fortzuführen oder zu verkaufen. Die rosige Prognose des Wirtschaftsministeriums, wonach der Landeshaushalt "nicht belastet wird", teilt Flöther nicht: "Gleich, welche Variante gewählt wird. Die Gläubiger werden voraussichtlich auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten müssen. Das bedeutet finanziell schmerzliche Entscheidungen."