Halle. Erneut ist am Universitätsklinikum Halle ein schwerer Konflikt um einen Medizin-Professor entbrannt. Dem Direktor des Instituts für Pathologie, Steffen Hauptmann, wird nach Volksstimme-Informationen vorgeworfen, seinen Dienst de facto eingestellt zu haben. So komme er seinen Pflichten weder in der Krankenversorgung noch in Forschung, Lehre und Weiterbildung nach.

Hauptmann selbst erhebt schwere Vorwürfe gegen das Uniklinikum. "Ich kann nicht mehr", sagte er gestern der Volksstimme. "Mich hat man so fertig gemacht, dass ich krank geworden bin." Seit Dienstag ist der 51-Jährige krankgeschrieben. Nach eigener Aussage wird er im Sommersemester, das am 1. April beginnt, voraussichtlich nicht für die Lehre zur Verfügung stehen.

Um die notwendigen pathologischen Leistungen – vor allem Gewebeuntersuchungen – absichern zu können, hat das Uniklinikum ein Dutzend externe Partner eingespannt. Die Liste reicht von Hamburg bis Bayern. Deren Leistungen muss das Uniklinikum zusätzlich honorieren.

Der Konflikt des Klinikums mit dem Mediziner schwelt seit vier Jahren und ähnelt der Auseinandersetzung mit dem Augenheilkunde-Professor Gernot Duncker, die Anfang des Monats in dessen freiwilligen Rückzug aus dem Beamtendienst mündete. Hauptmann, seit knapp acht Jahren Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, gründete wie Duncker eine eigene Firma. Seinen Angaben nach sollte diese als An-Institut das Klinikum bei medizinischen Leistungen unterstützen.

Das Klinikum hingegen witterte wie schon bei Duncker den Versuch, ein Konkurrenzunternehmen aufzubauen und untersagte Hauptmann diesbezügliche Tätigkeiten im Institut für Pathologie. Jener bezeichnet das Verhältnis zum Klinikumsvorstand als seither sehr angespannt. Er sieht sich als Opfer von "Sozialneid" und "gekränkter Eitelkeit". Man treibe mit ihm "das gleiche Spiel wie mit Duncker".

Der Pathologe Hauptmann, der aus Berlin nach Halle kam, gilt als ausgezeichneter Wissenschaftler. 2006 wurde er Prodekan für Forschung der Medizinischen Fakultät Halle. Zwei Jahre später gab er das Amt aus freien Stücken auf. Er sei enttäuscht vom damaligen Dekan gewesen, sagt Hauptmann, vor allem wegen dessen Personalpolitik. Seither sei es mit der Pathologie "den Bach runtergegangen".

Der 51-Jährige bezieht das in erster Linie auf die seiner Ansicht nach nicht ausreichende personelle Situation. Bis heute warte er vergeblich darauf, dass die Stelle seines Stellvertreters besetzt werde. Als im vergangenen Jahr endlich ein Kandidat gefunden war – das Klinikum hatte eigens eine Headhunting-Agentur darauf angesetzt –, habe, so Hauptmann, der Klinikumsvorstand die Zustimmung verweigert. Jener stellt es indes genau anders herum dar: Das notwendige Einverständnis Hauptmanns sei ausgeblieben.

Streit gibt es, wie schon im Fall Duncker, aber auch um Geld. Nach Volksstimme-Informationen erwartet das Klinikum einen Millionenbetrag von Hauptmann. Dabei geht es um Leistungen, die der Pathologe für andere Kliniken erbrachte. Dies ist zwar eine gängige Praxis. Universitätsärzte haben aber dafür Abgaben an ihren Arbeitgeber zu zahlen. Um deren Höhe, so räumt Hauptmann ein, werde gegenwärtig gestritten.

Weitere Vorwürfe gegen den Institutsdirektor beziehen sich auf seinen Umgang mit Mitarbeitern. Auffällig, so heißt es im Uniklinikum Halle, sei die hohe Fluktuation im pathologischen Institut. Mehrfach hätten Mitarbeiter um Versetzung gebeten oder seien zu ihrem eigenen Schutz herausgenommen worden. Hauptmann sagt dazu, er vermöge es nicht zu beurteilen, ob Mitarbeiter aus persönlichen Gründen gegangen seien. Wohl aber sei die Stimmung im Institut angesichts der aktuellen Situation "sehr angespannt".

Dem Professor wird zudem vorgehalten, die Weiterbildung von Assistenzärzten vernachlässigt und ihnen gesagt zu haben, er sei dafür nicht verantwortlich. In den vergangenen drei Monaten habe er auch seine anderen Tätigkeiten Stück für Stück zurückgefahren. Hauptmann führt dies auf einen Personalmangel zurück. Das Klinikum hingegen gibt an, das Institut verfüge über ausreichend Personal.

Hauptmann trägt sich jetzt mit dem Gedanken, seine Professur in Halle aufzugeben. "Ich habe eine gute Alternative gefunden", sagt er.

Bilder