Justizministerin Angela Kolb und Sozialminister Norbert Bischoff (beide SPD) haben gestern ein bundesweit einmaligens Informationsmaterial zum Thema "Betreuungsrecht" vorgestellt. Es soll die Hemmschwellen, als Betreuer zu arbeiten, abbauen.

Magdeburg. Vor dem Hintergrund von 47895 Fällen – Tendenz steigend – in denen Sachsen-Anhalter mit ihrem Alltag nicht mehr alleine zurechtkommen, steige die Bedeutung von ehren- und hauptamtlicher Betreuung immer mehr, sagte Justizministerin Kolb gestern beim Vorstellen der Broschüre. Die Ministerin belegte das an Zahlen. "2005 waren 1370 haupt- und 629 ehrenamtliche Betreuer tätig, 2010 waren es 1723 beziehungsweise 783."

Kolb legte den Finger in die Wunde, warum zu wenig Ehrenamtliche arbeiten: "Einerseits gibt es falsche Vorstellungen. Viele Menschen verwechseln die rechtliche Betreuung mit Krankenpflege. Zum anderen gibt es eine Menge offener Fragen zum Thema Betreuung." Potenzielle Betreuer innerhalb von Familien, aber auch außerhalb seien unsicher, weil das Thema bisher nicht ausreichend in allgemeinverständlicher Form beleuchtet worden sei.

Bischoff umriss das Aufgabengebiet: "Betreuer sind wie eine kleine Beratungsstelle." Diese Arbeit sei "gelebte Solidarität und Mitmenschlichkeit".

Einig waren sich gestern alle, dass die neuen Faltblätter "sehr anschaulich Wissen zum Betreuungsrecht vermitteln und Ängste sowie Vorbehalte nehmen".

Stephan Sigusch, Chef des Sprecherrates der Landesarbeitsgemeinschaft Betreuungsvereine, beschrieb die Faltblätter: "Kein Fachbuch, aber sehr konkret und einprägsam." Cartoons von Thomas Plaßmann als "Hingucker" würden Lust darauf machen, die Flyer in die Hand zu nehmen.

Insgesamt sind es 15 Faltblätter mit vier Themenkreisen zum Thema Betreuung. Themenkreis 1 beschreibt "Das kleine 1 x 1 für rechtliche Betreuung" und erklärt "Was ist Betreuung?". Komplex 2 umfasst Betreuung rund um die Familie (u. a. "Rechte des Betreuten", "Umgang mit Familienangehörigen"). Bereich 3 beschäftigt sich mit Aufgaben eines Betreuers (u. a. "Pflegeversicherung", "Geld verwalten", "Soziale Hilfen Existenzsicherung", "Unterbringung", "Wohnung kündigen". Teil 4: "Abschluss einer Betreuung" (u. a. "Berichten und abrechnen", "Risiken absichern, Aufwand entschädigen").

Broschüren gibt es beim Betreuungsverein Oschersleben. Büro Haldensleben, 39340 Haldensleben, Markt 15. Tel. 03904/724662.

Meinung

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