Stendal. Der juristische Streit um die Echtheit einer Büste Alexanders des Großen und die damit verbundene Verleumdungsklage eines Professors gegen einen anderen ist gestern wider Erwarten doch noch nicht zu Ende gegangen. Sowohl der am 24. Januar dieses Jahres erneut ins Auge gefasste Vergleich als auch das von der 3. Zivilkammer des Landgerichts Stendal vorgesehene Urteil kamen nicht zustande. Somit hat die Vorsitzende Richterin Annette Surburg-Kaiser für den 9. Mai den nächsten Termin in der wie es scheint unendlichen Geschichte anberaumt.

Ausgangspunkt für den juristischen Streit zwischen zwei Archäologie-Gelehrten war die Ausstellung des Stendaler Winckelmann-Museums im Jahr 2000. Eines der Exponate war eine Büste. Für den Kläger, Professor Max Kunze, Berlin, war die ein 2000 Jahre altes Kunstwerk, das Alexander den Großen zeigt. Für den Beklagten, Professor Stefan Lehmann, Halle, ist sie eine Fälschung – höchstens 100 Jahre alt.

Lehmann hat in mehreren Beiträgen die Echtheit der Büste angezweifelt und behauptet, die Winckelmann-Gesellschaft diene als "Waschanlage" für gefälschte archäologische Kunstwerke. Kunze hätte versucht, "mit archäologischen Objekten zu betrügen". Zudem sei Kunze, Chef der Winckelmann-Gesellschaft, für eine "Ausstellung für illegalen Antikhandel verantwortlich".

Das Gericht hat sich vorerst dahingehend geäußert, dass Lehmann die diskriminierenden Äußerungen in seiner Universitätsschrift schwärzen müsse, allerdings keinen Schadensersatz und Schmerzensgeld zu zahlen habe.

Die Knackpunkte, die einem Urteil erneut im Wege standen, sind einerseits die Bezahlung "außergerichtlicher Anwaltskosten", die Kunze einfordert. Andererseits fordert Lehmann in einer "Widerklage", dass er Einsicht in die Transportunterlagen der Büste bekommt.