Der Augenarzt Gernot Duncker ist nicht länger an der Martin-Luther-Universität Halle tätig. Duncker schied auf eigenen Wunsch zu diesem Monat aus dem Beamtenverhältnis aus, wie das Kultusministerium gestern bestätigte. Der Ex-Direktor der Uniklinik für Augenheilkunde kam damit einer möglichen Entlassung im Zuge eines Disziplinarverfahrens zuvor.

Halle. Duncker habe in den vergangenen Monaten unter erheblichem Druck gestanden und die Belastung beenden wollen, sagte sein Anwalt Andreas Silbersack gestern. Der 57-Jährige habe deshalb um seine Entlassung gebeten. Am Dienstag erhielt er die Entlassungsurkunde. Damit ist auch das Disziplinarverfahren, das die Uni Halle gegen Duncker eingeleitet hatte, beendet.

Dem Professor war vorgeworfen worden, mit seinem privat betriebenen Augen-Laserzentrum Halle der Uni Konkurrenz zu machen, indem er dort Patienten behandelte. Die Vorwürfe hatten Ende Januar durch eine Entscheidung des Oberverwaltungerichts Sachsen-Anhalt neue Brisanz erhalten. Demnach handelte Duncker "aus bloßem Gewinnstreben entgegen seinen dienstlichen Pflichten und unter Angabe falscher Erklärungen". Die Entlassung Dunckers im Zuge des Disziplinarverfahrens sei "überwiegend wahrscheinlich", hieß es.

Augenarzt wie Universität wollten eine jahrelange Auseinandersetzung durch das Disziplinarverfahren vermeiden. Man habe daher gemeinsam nach Lösungen gesucht, sagte Unirektor Udo Sträter gestern. Er zeigte sich froh, dass sich der Rechtsstreit nun nicht länger hinzieht. Sträter: "Für mich ist das Thema durch."

Nicht so für das Uniklinikum Halle. Die teilselbständige Anstalt öffentlichen Rechts hegt finanzielle Forderungen an Duncker in sechsstelliger Höhe. Es geht um Personal und Material aus der Uni-Augenklinik, das der Arzt in seinem Laserzentrum genutzt haben soll, sowie um die Abrechnung privatärztlicher Leistungen. Nach Volksstimme-Informationen will das Klinikum das ausstehende Geld einklagen.

Duncker war 1997 aus Kiel nach Halle gewechselt und an der dortigen Universität zum Professor für Augenheilkunde sowie Direktor der entsprechenden Klinik berufen worden. Seine Verdienste in dieser Tätigkeit sind – auch von Seiten der Uni – unbestritten.

Der aktuelle Streit entzündete sich um das von Duncker 2005 gegründete Augen-Laserzentrum. Es war als An-Institut der Uni Halle konzipiert und sollte diese vor allem in der Forschung unterstützen.

2007 beantragte Duncker jedoch ohne Wissen der Uni einen Teilkassenarztsitz für sein Zentrum, um dort Patienten zu behandeln. Als die Uni davon erfuhr, untersagte sie dem Professor die Nebentätigkeit, weil er ihr damit Konkurrenz mache. Später wurde auch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum als An-Institut beendet. Da Duncker dem Verbot der Nebentätigkeit nicht nachkam, leitete die Uni ein Disziplinarverfahren ein und enthob ihn vorläufig des Dienstes.

Nach Auskunft seines Anwaltes Silbersack will Duncker in Halle bleiben und das Laserzentrum weiterbetreiben. Möglicherweise wird er künftig auch mit einem anderen ortsansässigen Krankenhaus kooperieren. Offen ist gegenwärtig, ob Duncker den aus seiner Tätigkeit in Sachsen-Anhalt resultierenden Professorentitel weiterhin tragen darf. Darüber haben die Fakultät und die Unileitung zu befinden. Die Entscheidung steht laut Kultusministerium aus.