Halle. Als ein "wichtiges Gespräch", das fortgesetzt werden müsse, bezeichnete Bischöfin Ilse Junkermann das gestrige Treffen zwischen ihr und den Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen von Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie Vertretern von SED-Opferverbänden in der Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle. Rund 100 Opfer des DDR-Regimes und ehemalige Bürgerrechtler diskutierten mit der evangelischen Landesbischöfin über "Versöhnung und Vergebung" im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit.

Anliegen der Opferverbände sei es gewesen, sagte der Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Johannes Rink, "der Bischöfin unsere Sicht deutlich zu machen". Junkermann hatte sich wiederholt zum Umgang mit Opfern und Tätern geäußert und dabei zur Versöhnung aufgerufen. "Dabei ist manches falsch interpretiert worden", sagte sie gestern der Volksstimme. "Ich wünsche mir eine Haltung der Versöhnlichkeit." Das sei eine Bitte, so Junkermann, denn Versöhnung könne nicht verordnet werden.

Rink und Wolfgang Stiehl, die beide unschuldig in DDR-Gefängnissen gesessen haben, schilderten aus eigenem Erleben, dass die Täter von einst ihre Taten nicht bereuen würden. Es wäre zu begrüßen, wenn die Kirche ihre Bemühungen, mit ehemaligen DDR-Funktionären und hauptamtlichen Stasi-Leuten ins Gespräch zu kommen, verstärken würde, sagte Rink. "Aber seien Sie misstrauisch", wurde der Bischöfin mit auf den Weg gegeben. "Eher geht die Welt unter, als das ein Stasi-Mann die Wahrheit über seine begangenen Taten spricht", sagte der VOS-Bundeschef. Die Bischöfin sollte versuchen, zuerst mit den Tätern ein offenes Gespräch zu führen. "Sollte Ihnen das gelingen, wären auch wir bereit, daran teilzunehmen. Aber versöhnen mit den Tätern können wir uns nicht."

Über die Schwierigkeiten, mit Tätern ins Gespräch zu kommen, berichtete auch die langjährige Stasi-Landesbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Edda Ahrberg. "In zehn Jahren gab es nur drei Treffen, die alle ergebnislos verliefen."

Die Bischöfin will sich am 29. Mai in Dessau wieder mit den Stasi-Landesbeauftragten und SED-Opfern treffen.