Ministerpräsident Wolfgang Böhmer und Landrat Thomas Webel haben gestern in Oschersleben den mehr als 300 Helfern gedankt, die beim schweren Zugunglück am 29. Januar in Hordorf (Bördekreis) zum Einsatz kamen. Beim Zusammenstoß einer HEX-Regionalbahn mit einem Güterzug starben zehn Menschen.

Oschersleben. "In Hordorf hat alles richtig gut geklappt", würdigte gestern Ministerpräsident Wolfgang Böhmer bei einer Dankesveranstaltung den Einsatz der mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und Notfallseelsorgern bei dem schweren Zugunglück, bei dem am 29. Januar zehn Menschen starben. "Es wurde im Zusammenhang mit dem Unglück von Hordorf von vielen Menschen Außerordentliches geleistet. Ich danke allen Einsatzkräften sehr herzlich", sagte er im Namen der Landesregierung und der Bördekreisverwaltung. Ihr Einsatz sei ein Beispiel der Mitmenschlichkeit gewesen.

Mit einigen Wochen Abstand sei es Böhmer wichtig gewesen, mit den Rettern diesen Einsatz auszuwerten. Sachsen-Anhalt als ein Bundesland mitten in Deutschland mit dichten Verkehrsströmen werde auch in Zukunft nicht von derartigen Unglücken verschont bleiben. Darauf organisatorisch gut vorbereitet zu sein, sei das Ziel aller Rettungskräfte.

Böhmer habe jedoch auch Briefe von DRK-Rettungsdienstmitarbeitern aus dem Bördekreis bekommen, die kurz nach ihrem Einsatz bei dem Unglück den Verlust ihres Arbeitsplatzes beklagten. Der Kreis hatte den Rettungsdienst zum 1. Februar neu ausgeschrieben, wobei das Rote Kreuz etliche Rettungswachen an andere Anbieter verloren hatte. "Für ihre Verbitterung habe ich Verständnis", sagte er. Jedoch sehe es das Gesetz vor, die Leistungen des Rettungsdienstes nach zeitlichen Fristen neu auszuschreiben. Wie der Regierungschef versicherte, werde für jeden Betroffenen nach Lösungen gesucht. Entweder durch die Übernahme durch die neuen Anbieter oder durch Qualifizierungen.

"Dieser Einsatz ist nicht hoch genug zu würdigen. Ob die seelischen Folgen, die dieses Unglück bei den nahen Angehörigen, den Familien und Freunden und bei unseren Menschen, die die Geschehnisse sehr betroffen verfolgt haben, zu überwinden sind, ist fraglich", gab Thomas Webel, Landrat des Kreises Börde, angesichts des menschlichen Leids zu bedenken. Weniger fraglich sei für ihn jedoch der Einsatz der ehrenamtlichen und hauptberuflichen Helfer, die "aktive Solidarität praktiziert haben". Beispielhaft für alle Helfer nannte Webel den Oschersleber Feuerwehrleiter Günther Matthias jun., der als Erster die Rettungsaktionen am Unglücksort leitete, Stadtwehrleiter Bernd Dedecke und die Leitende Notärztin des Kreises Katrin Baier.