Die Drogenkriminalität in Sachsen-Anhalt ist im vorigen Jahr zurückgegangen. 2010 wurden exakt 4492 Delikte polizeilich erfasst. Das sind 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus dem Jahresbericht zur Rauschgiftkriminalität hervor, den das Innenministerium und das Landeskriminalamt (LKA) gestern in Magdeburg vorstellten.

Magdeburg. Laut Bericht sank die Zahl der Tatverdächtigen auf 3650 (3171 Männer, 479 Frauen). Damit setzt sich ein langjähriger Trend nach unten fort. Den Spitzenwert hatte es im Jahr 2004 gegeben. Damals waren 5954 Tatverdächtige ermittelt worden.

Sachsen-Anhalt ist wegen seiner zentralen Lage in Deutschland ein Transitland für Drogen. Rauschgift werde hauptsächlich aus den Niederlanden über die Autobahnen und Fernstraßen geschmuggelt, sagte Innenminister Holger Hövelmann (SPD). Und weiter: "Die Komplexität nimmt zu. Das sind keine kleinen Gelegenheitstäter, sondern zum größten Teil international vernetzte Täter. Die Strukturen sind gefestigt. Hier wird richtig viel Geld verdient."

Auch die Zugstrecken im Süden des Landes nach Sachsen würden häufig für den Drogenhandel genutzt.

2010 wurden in Sachsen-Anhalt Drogen mit einem Verkaufswert von 2,2 Millionen Euro sichergestellt – das ist gegenüber 2009 eine Verdopplung.

Hövelmann sagte, dass immer mehr Menschen harte Drogen nähmen. Vor allem bei Amphetaminprodukten wie Crystal und Ecstasy sei ein Anstieg festzustellen. Nach Cannabis (52 Prozent), das 2010 die häufigste Droge in Sachsen-Anhalt blieb, liegen die synthetisch hergestellten Amphetamine an zweiter Stelle (28 Prozent). Es folgen Heroin (11 Prozent) und Kokain (5 Prozent)

LKA-Direktor Jürgen Schmökel erklärte, dass Amphetamine mit rund zehn Euro pro Konsum- einheit relativ günstig seien.

In Sachsen-Anhalt würden in alten Industrieanlagen, in Bauernhöfen, Ställen oder Wohnungen viele Cannabispflanzen gezogen, sagte Hövelmann weiter. In Köthen beispielsweise fand die Polizei 890 Pflanzen in einer leerstehenden Gaststätte – mitten in einem Wohngebiet. Hövelmann appellierte an die Bevölkerung, auf ungewöhnlich viel Betrieb vor vermeintlich leerstehenden Gebäuden, neue Lüftungsanlagen oder zugeklebte Fenster zu achten.

Sechs Menschen starben im vergangenen Jahr an den Folgen von Drogen, 2009 waren es neun. In diesem Jahr hat es bereits einen Todesfall gegeben. Seit 1994 gab es im Land 99 Drogentote.

Das Durchschnittsalter von Drogentoten liege bei 26 Jahren, sagte Hövelmann. "Das waren junge Leute, die eigentlich ihr Leben noch vor sich hatten."

Hövelmann betonte: "Wir werden den Fahndungs- und Kontrolldruck auf hohem Niveau aufrechterhalten." So beteilige sich Sachsen-Anhalt seit mehreren Jahren an länder- und staatenübergreifenden Kontrollen.

Der Minister fügte hinzu, dass nach wie vor die Präventionsarbeit unabdingbar sei. "Am effektivsten begegnet man diesem giftigen Sumpf, indem man alles daransetzt, dass es keine Nachfrage mehr gibt." Dabei sei besonders die Einflussnahme durch die Elternhäuser und Schulen gefragt.