Halle (dpa). Die Franckeschen Stiftungen in Halle beschäftigen sich in ihrem kulturellen und wissenschaftlichen Programm 2011 mit ihren langen Beziehungen zu Amerika. Anlass ist der 300. Geburtstag von Heinrich Melchior Mühlenberg (1711 – 1787). Der von ihnen 1742 nach Nordamerika entsandte pietistisch geprägte Theologe habe durch sein Wirken deutliche Spuren in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen hinterlassen. Mühlenberg gilt als Begründer der Lutherischen Kirche in den USA. Dennoch sei er in Deutschland fast in Vergessenheit geraten.

Die Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen unter dem Motto "Freiheit, Fortschritt und Verheißung. Blickwinkel zwischen Europa und Nordamerika" (1. Mai bis 3. Oktober) werde an seine Verdienste erinnern. Sein 300. Jubiläum begeht das Bildungs- und Sozialwerk aus Halle gemeinsam mit Partnern in den USA sowie Kirchen. Unterstützt wird es auch von der US-Botschaft in Deutschland. So gebe es in diesem Jahr auch in den USA Ausstellungen zu Ehren Mühlenbergs. Laut Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke sind in Halle Originaldokumente, darunter handschriftliche Tagebücher von Mühlenberg, zu sehen. Sein Nachlass sei die umfangreichste Dokumentation eines Auswanderers nach Amerika im 18. Jahrhundert.

Mühlenberg war von den Stiftungen zur geistlichen Betreuung der deutschen Einwanderer in die Kolonie Pennsylvania entsandt worden. Seine Söhne, die auch in Halle ausgebildet wurden, zählen laut Müller-Bahlke zu den Gründungsvätern der amerikanischen Demokratie. So gehörte Frederick Augustus Mühlenberg den Angaben zufolge zu den Erstunterzeichnern der "Bill of Rights", von zehn Zusatzartikeln zur Verfassung der Vereinigten Staaten.

Die Franckeschen Stiftungen in Halle wurden vor rund 300 Jahren als Sozial- und Bildungswerk von dem Pfarrer August Hermann Francke (1663 – 1727) ins Leben gerufen. In der Schulstadt mit Internaten, Wirtschaftsgebäuden und Betrieben wurden Arme, Bürgerliche und Adelige nach modernen Methoden unterrichtet. Zudem fanden in der Waisenanstalt bis zu 2500 Kinder Zuflucht. Francke schickte zudem Missionare von Halle aus in die Welt, vor allem nach Amerika, Russland und Indien.

Das Areal der historischen Schulstadt steht auf der deutschen Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe.