Der Tod einer 52-Jährigen und ihres 56-jährigen Bekannten in Magdeburg sorgte im vergangenen Herbst für Schlagzeilen. Der mutmaßliche Täter steht nun vor Gericht. Alkohol, Drogen und Wahnvorstellungen bestimmten sein Leben.

Magdeburg (dpa/vs). Zu Beginn des Prozesses um die Tötung seiner Nachbarn hat der 40 Jahre alte Beschuldigte die Tat gestanden. Der Brite sagte am Dienstag am Magdeburger Landgericht aus, in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 2010 seine 52 Jahre alte Nachbarin und deren 56-jährigen Bekannten erstochen zu habe. Als er am späten Abend betrunken nach Hause gekommen sei, habe er mit den beiden weiter gezecht. "Plötzlich bekam ich panische Angst, dass mich die beiden umbringen wollen", sagte der 40-jährige Brite in dem Sicherungsverfahren.

Dieses war statt eines Anklageverfahrens anberaumt worden, weil ein Gutachten ergeben hatte, dass der Mann wegen seines psychischen Zustandes zum Tatzeitpunkt möglicherweise schuldunfähig war. Er ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Normalerweise laufe er bei solchen Panikattacken immer weg, sagte der Brite, der ein nahezu akzentfreies Deutsch spricht. Das sei jedoch in diesem Fall nicht möglich gewesen. Aus dem Fenster habe er wegen der Höhe der Wohnung nicht springen können. "Und im Hausflur vermutete ich Verbündete der beiden, die mich ebenfalls umbringen wollten." So habe er in Panik ein Küchenmesser gegriffen und erst den Mann und dann die Frau erstochen.

Später habe er sich auf die Flucht begeben, die ihn unter anderem nach Prag und Budapest geführte, sagte der Beschuldigte. Auf den Rat eines Freundes stellte er sich knapp zwei Wochen nach der Tat mit einem Rechtsanwalt in einem Polizeirevier in Worms (Rheinland-Pfalz).

Auf die Fragen der Vorsitzenden Richterin, Claudia Methling, schilderte der Mann sein Leben, das von früher Kindheit an von Drogen, Alkohol, Therapien und Psychosen geprägt war. Im Alter von elf Jahren habe er erstmals Kleber und Benzin geschnüffelt um sich zu berauschen und den sexuellen Missbrauch durch einen Onkel zu verarbeiten. Mit 15 Jahren habe er zu richtigen Drogen gegriffen. Wegen Diebstählen habe er insgesamt sieben Jahre im Gefängnis in Großbritannien gesessen.

Aus Liebe zu einer Frau sei er im Jahr 2009 nach Magdeburg gezogen und habe eine Therapie gemacht. "An jenem 22. Oktober habe ich neben dem Alkohol erstmals seit längerer Zeit auch wieder andere Drogen genommen", sagte der 40-Jährige über den Tattag.

Das Gericht hat bis Anfang Mai drei Verhandlungstage anberaumt, bei denen neben den Zeugen mehrere Sachverständige gehört werden sollen. Sollte das Gericht am Ende des Verfahrens die Schuldunfähigkeit des Mannes feststellen, dürfte er nicht bestraft werden. Allerdings könnte er dauerhaft in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.