Magdeburg (dpa/wb). Angesichts der jüngsten Umfragen, nach denen mit einem Einzug der rechtsextremistischen NPD in den Landtag von Sachsen-Anhalt zu rechnen ist, haben mehrere Parteien, Jugendorganisationen und Politiker die Bürger zur Wahl demokratischer Parteien aufgerufen. Zugleich stoppten Bürger am Sonnabend in Dessau einen Marsch von Rechtsextremisten. Aus dem Jerichower Land meldete die Polizei einen rechtsextremen Gewaltakt.

Mit einer ähnlichen Materialschlacht wie 1998 die rechtsextreme DVU versucht die NPD zurzeit in Sachsen-Anhalt, einen Einzug in den Landtag zu erreichen. Die nach Finanzbetrügereien und entsprechenden Strafen angeschlagene Partei hat Hilfstrupps aus Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vopommern nach Sachsen-Anhalt geschickt, um Plakate zu kleben und Flugblätter zu verteilen.

Davon alarmiert, mehren sich die Wahlaufrufe demokratischer Politiker und Institutionen. Der in Sachsen-Anhalt geborene FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher hatte erklärt: "Jede Stimme für eine demokratische Partei ist ein Stimme gegen die NPD." Innenminister Holger Hövelmann erklärte am Wochenende: "Ich teile die Sorge, dass die rechtsextremistische NPD in den Landtag einziehen könnte." Sollte dies eintreten, "würde Sachsen-Anhalt Schaden nehmen, "vor allem in der Außenwirkung", sagte Hövelmann. Unterdessen gibt es Hinweise darauf, dass die NPD für den Wahlkampf rechtswidrig Gelder ihrer Landtagsfraktion aus Sachsen verwendet hat. Der sächische Landesrechnungshof ermittelt.

NPD-Demo gestoppt

Gestern wandten sich vier Jugendorganisationen gemeinsam an Jung- und Erstwähler. Jusos, Junge Union, Linksjugend und Julis erklärten: "Wir, die jungen Menschen in Sachsen-Anhalt, dürfen nicht zulassen, dass eine Partei, die rassistische, demokratie- und menschenfeindliche Werte vertritt, in den Landtag kommt." Und: "Lasst Euch nichts von den Rechtsextremen erzählen und gebt dieser Intoleranz und Dummheit keine Chance!"

In Dessau stoppten am Sonnabend 300 Bürger des Bündnisses "Gelebte Demokratie" , aufgerufen von Parteien, Kirchen und Verbänden, mit einer friedlichen Sitzblockade einen NPD-Aufmarsch durch die Stadt.

Zu gleicher Zeit hielt die NPD ihren Wahlkampfabschluss in Barleben ab. Die Rechtsextremen mussten dabei selbst Essen herbeischaffen. Der Wirt der ansässigen Gaststätte weigerte sich, die Parteigänger zu versorgen.

Aus Brettin (Jerichower Land) meldete die Polizei am Wochenende einen rechtsextremen Zwischenfall. Dabei hat ein 18-Jähriger einem 15-jährigen Mitschüler ein Hakenkreuz auf die Stirn gemalt. Das Opfer war von zwei anderen festgehalten worden. Der Schulleiter rief die Polizei. Der 18-Jährige hat die Tat gestanden, schweigt aber zum Motiv. Die Polizei ermittelt.