Havelberg (as). Der Havelberger Sebastian Maslow lebt seit 2006 in Japan. Er hat dort sein Studium der Japanologie, Politikwissenschaft und neueren Geschichte beendet und schreibt jetzt an der Universität in Sendai seine Doktorarbeit.

Als am Freitagmorgen (Ortszeit) die Erde bebte, war der 28-Jährige gerade aus einem Bus gestiegen. "Wenn ich zu Hause gewesen wäre, wäre es schlimmer geworden", erzählte er gestern am Volksstimme-Telefon und berichtet von seiner zerstörten Wohnung in der Innenstadt der Millionen-Metropole im Nordosten Japans. Die Wohnung ist nicht mehr nutzbar.

Während des Telefonates bebt die Erde wieder. "Alle fünf bis zehn Minuten gibt es Nachbeben, manche recht stark. Man weiß schon gar nicht mehr, ob man selbst vor lauter Spannung bebt oder ob es die Erde ist", beschreibt der Havelberger, der jetzt bei einer befreundeten Familie wohnt, seine Gefühle. Die Angst begleitet die Menschen. Nach und nach erfahren sie von den Ausmaßen des Bebens, von den vielen Toten. In der nur drei, vier Kilometer entfernten Küstenregion sind ganze Stadtteile verschwunden. "Aber es gibt keine Panik." Auch nicht wegen der drohenden Radioaktivität, die von den Kraftwerken ausstrahlen könnte. Er finde es beeindruckend, wie geordnet das Leben trotz der Katastrophe weitergeht. So gibt es zum Beispiel keine Rangeleien vor fast leeren Supermarktregalen. Strom ist seit Samstagnacht wieder da. Wasser gibt es in der Innenstadt, Gas nicht.

Ob er in den nächsten Tagen seine Forschungsreise nach Europa antreten kann, wisse er noch nicht. Der Flughafen in Sendai ist zerstört, Züge fahren nicht. Die Straßen sind Hilfstransporten vorbehalten. "Wir warten ab. Wichtig ist, dass es mir, den Umständen entsprechend, gut geht."