Der Demografie-Beirat der Landesregierung unter Vorsitz von Carmen Niebergall hat gestern die Gründung einer Demografie-Allianz beschlossen. Der Beirat will dazu Behörden, Wirtschafts- und Sozialverbände, Kirchen und Unternehmen ansprechen und sie als Partner im Kampf gegen die Auswirken des demografischen Wandels gewinnen.

Magdeburg. Sachsen-Anhalts Bevölkerung wird bis 2025 voraussichtlich um 442 530 Personen (18,6 Prozent) zurückgehen. Nach der Bevölkerungsprognose vom Oktober 2010 dürfte erstmals 2023 die Zwei-Millionen-Grenze in der Einwohnerzahl unterschritten werden. Der Anteil der 65-jährigen und älteren Menschen wird sich im selben Zeitraum um 7,5 Prozentpunkte erhöhen, und der Anteil der Erwerbstätigen sinkt um 7,6 Prozentpunkte. Den damit verbundenen Auswirkungen will die Landesregierung mit einem 113 Seiten umfassenden Handlungskonzept begegnen, dessen Umsetzung sich der Demografie-Beirat auf die Fahnen geschrieben hat, wie Carmen Niebergall gestern auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Beirates sagte.

"Sachsen-Anhalt soll auch in den nächsen Jahrzehnten unter den veränderten Bedingungen lebens- und liebenswert sein", sagte Niebergall. Der Wandel müsse auch als Chance begriffen werden. "Wir müssen schon jetzt dafür sorgen, dass sich künftige Generationen hier wohl fühlen, dass vor allem junge Menschen hierbleiben und andere, die weggegangen sind, zurückkommen."

Der Beirat will bis zum September unter anderem die Bundes-agentur für Arbeit, den Landkreistag, den Städte- und Gemeindebund, IHK und Handwerkskammer, Gewerkschaften, Landeseltern- und -schülerrat, Universitäten und Hochschulen für eine "selbstverpflichtende Mitarbeit" in der Demografie-Allianz gewinnen. "Es sollen Informationen darüber ausgetauscht werden, was notwendig und was machbar ist", so die Vorsitzende weiter.

Der Beirat, der für die Dauer von drei Jahren von der Landesregierung berufen wurde, beschäftige sich in enger Kooperation mit der Hochule Magdeburg-Stendal mit einer neuen Kommunikationsstrategie, die die Nutzergewohnheiten der jungen Generation ausdrücklich berücksichtige und Sachsen-Anhalt offensiv und positiv in Deutschland zu vermarkten helfe, sagte Niebergall. Gespräche mit der IMG-Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt liefen bereits. "Ich glaube, wir brauchen eine Internetseite für die Jugend, die ganz speziell auf die Bedürfnisse und Fragen der jungen Menschen ausgerichtet ist."

Der Demografie-Beirat sprach sich gestern auch für eine engere Zusammenarbeit mit den Hochschulen des Landes aus. Insgesamt liefen derzeit 14 Forschungsprojekte zum demografischen Wandel, die sich unter anderem mit der Frage der Versorgung der älter werdenden Bevölkerung im ländlichen Raum befassen. "Es geht darum, die Lebensqualität für Ältere zu erhöhen und die Chancen für Familien und Jugendliche zu verbessern", sagte Niebergall.