Magdeburg (wb). Matthias Heyder, NPD-Landeschef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am Sonntag, ist ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Laut Bericht des Nachrichtenportals tagesschau.de soll der 39-Jährige in einem nichtöffentlichen Internet-Forum eine Anleitung zum Bombenbau gegeben haben. Unter Hinweis auf eine sächsische Linken-Politikerin soll er auch dazu aufgerufen haben, Frauen zu "schänden".

Das Portal tagesschau.de zitierte einen unter dem Pseudonym "Junker Jörg" schreibenden Internet-Nutzer mit den Worten: "20 Koffer, 20 Mann, 20 Bahnhöfe. Bundesrepublik lahmgelegt. Alles legal. Kosten unter 1000,- €. Wo ist das Problem?" In einem Unterforum namens "Waffen" beschrieb "Junker Jörg" in sieben Schritten detailliert, wie Sprengstoff hergestellt werden kann.

Innenminister Holger Hövelmann (SPD) sagte, die in dem Internet-Foum sichergestellten Dokumente stammten aus den Jahren 2004 bis 2011 und ließen "mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass ,Junker Jörg‘ und Matthias Heyder identisch sind." In das Forum sei nur hineingekommen, wer ein Passwort besaß. Hövelmann betonte: "Hier hat die NPD die Maske fallenlassen." Das Landeskriminalamt sei beauftragt, Ermittlungen einzuleiten. Es bestehe der Verdacht auf Volksverhetzung und andere Straftaten.

Laut Hövelmann hat "Junker Jörg" sich als NPD-Spitzenkandidat bezeichnet und im Forum über Heyder-Fotos sowie weitere Werbematerialien für den Landtagswahlkampf diskutiert.

tagesschau.de zitierte Heyder mit den Worten, er bezweifle, dass er in dem Forum jemals etwas geschrieben habe. Zugleich habe Heyder "sofort" entgegnet, dass es sich um ein geschlossenes Angebot handele und es unzulässig sei, daraus zu zitieren. Heyder habe außerdem rechtliche Schritte wegen "Datendiebstahls" angekündigt. Nur Stunden später sei das Forum eingestellt worden.

Die NPD wies gestern die Vorwürfe zurück und beschimpfte in einer Mitteilung die Autoren von tagesschau.de als "antideutsche Hetzer". Heyder nannte den Fall "hanebüchener Unsinn."

Grünen-Landeschefin Claudia Dalbert kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd Strafanzeige gegen Heyder an. Die Verbreitung von Bombenbauanleitungen sei eine "konkrete Vorbereitung von Terror", der Aufruf zu Vergewaltigungen ein "Zeugnis vollkommener moralischer Verwahrlosung", sagte Dalbert.