Magdeburg/Dessau. Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Dessauer SPD-Direktkandidat Udo Gebhardt schwere Verstimmungen in der Parteispitze ausgelöst. Der Grund: In einer gestern verbreiteten Pressemitteilung rufen er und Grünen-Kandidat Lars Kreiseler im Wahlkreis 26 zum "rot-grünen Stimmensplitting" auf. Sie werben dafür, die Erststimme für Udo Gebhardt von der SPD abzugeben. Im Gegenzug soll die Zweitstimme an die Bündnisgrünen gehen.

Zur Erklärung: Mit der Erststimme bestimmt der Wähler einen Direktkandidaten seines Wahlkreises. Wer die meisten Stimmen bekommt, zieht direkt in den Landtag ein.

Die Zweitstimme ist die maßgebliche Stimme für die Sitzverteilung im Landtag. Mit ihr wählt der Wähler eine Partei, deren Kandidaten zuvor auf einer Landesliste zusammengestellt worden sind.

In den jüngsten Umfragen liegt die CDU vorn, SPD und Linke liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei.

Gebhardts Vorstoß mitten im Wahlkampf-Endspurt hat die Parteispitze kalt erwischt. Die Landes- und Fraktionsvorsitzende Katrin Budde verbarg ihren Ärger über den Alleingang des gelernten Maurers, der seit 2003 DGB-Landesvorsitzender ist, nur mühsam hinter einer diplomatischen Formulierung: "Das ist eine Privatangelegenheit von Udo Gebhardt", sagte sie gestern. "Die SPD in Sachsen-Anhalt kämpft selbstverständlich um jede Erst- und Zweitstimme."

SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn sagte: "Das ist schon sehr ungewöhnlich. Udo Gebhardt ist der einzige Kandidat in der SPD, der glaubt, etwas verschenken zu können."

Erst vor gut einer Woche hatte Gebhardt in der SPD für Stirnrunzeln gesorgt, weil er eine vom DGB und der Linken in Auftrag gegebene "Studie über prekäre Beschäftigung in Sachsen-Anhalt" gemeinsam mit dem Linken-Spitzenkandidaten Wulf Gallert vorgestellt hatte.

In dem Aufruf jetzt lobt Gebhardt die Grünen als "glaubwürdige, offene und engagierte Kämpfer für ihre Sache". Er sei mit ihnen zwar nicht immer einer Meinung, aber: "Nur mit einem Partner, der grundsätzlich für die gleiche Richtung der Politik steht, können wir das Land positiv verändern."

Grünen-Politiker Kreiseler rühmt seinerseits Gebhardt in höchsten Tönen. "Ich kenne ihn als einen aufrechten Streiter für seine Stadt", sagte er. "Er ist seit vielen Jahren als Stadtrat eine engagierte, kämpferische und oft auch unbequeme Stimme für Dessau-Roßlau!" Für den Landtag wäre der Vater zweier Kinder jedenfalls "eine echte Bereicherung".

SPD-intern wird Gebhardt ein egoistisches Verhalten vorgeworfen. Auf der Landesliste liegt der gebürtige Dessauer mit Rang 31 auf einem eher aussichtslosen Platz. Daher muss der 58-Jährige das Direktmandat in Dessau gewinnen, um ganz sicher in den Landtag zu kommen.

 

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