Von Winfried Borchert

Magdeburg. Ein Raunen der Enttäuschung ging durch die rund 200 Gäste auf der Wahlparty der Sozialdemokraten in der Kulturfestung Mark, als um 18 Uhr die Prognosen der Fernsehsender auf den Großbildleinwänden sichtbar wurden. Nur 21,5 Prozent für die Sozialdemokraten, nur ein Prozentpunkt besser als bei der Landtagswahl 2006. Damit verfehlte die Partei ihr Wahlziel, stärkste Partei zu werden und belegte wie bei der letzten Landtagswahl nur Platz drei hinter der CDU und der Linken.

Beifall brandete nur einmal auf; bei der Prognose für die NPD von 4,5 Prozent. Damit hätten die Rechtsextremisten den Landtagseinzug verfehlt.

Noch während die Anwesenden in kleinen Gruppen die Prozentwerte diskutierten, versuchte Sozialminister Norbert Bischoff seinen Parteifreunden Mut zuzusprechen. "Natürlich ist die Stimmung gedämpft. Wir alle hätten uns ein besseres Abschneiden der SPD gewünscht. Allerdings wäre es ein Riesenerfolg, wenn die NPD nicht in den Landtag käme. Das tut der Demokratie gut, das tut Sachsen-Anhalt gut", sagte Bischoff.

Kurz darauf erschien auf der Projektionswand ein um Gelassenheit bemühter SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn im Fernsehinterview. Ja, sagte er, auch er habe sich für die SPD mehr gewünscht. Doch er stehe trotz des Wahlergebnisses dazu, keinen linken Regierungschef mitzuwählen. Mehrere Partyteilnehmer schätzten ein, zum Bündnis mit der CDU habe man offenbar derzeit keine Alternative, man müsse sich aber "gegenüber der CDU so teuer wie möglich verkaufen".

In diese Kerbe schlug Sozialminister Bischoff. Gegenüber der Volksstimme nannte er als wichtigste Aufgaben einer Landesregierung drei CDU-Reizthemen: Längeres gemeinsames Lernen, flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn sowie Ganztagsanspruch in der Kinderbetreuung. "Wenn die CDU mit uns weiterregieren will, wird sie sich bewegen müssen", sagte Bischoff. Eine Fortsetzung des Bündnisses mit der CDU sei "kein Automatismus."

Auch SPD-Fraktionschefin Katrin Budde wollte zur Frage der CDU/SPD-Koalition "noch gar nichts" sagen.

Auf der Party betrieben SPD-Politiker zugleich Ursachenforschung. "Viele Wähler wollten offenbar keine großen Veränderungen", meinte der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Bergmann. Sein Kollege Ronald Brachmann sah in dem schlechten SPD-Abschneiden "auch eine Spätfolge der Agenda-2010-Politik".

Während sich viele Sozialdemokraten über das schwache Abschneiden damit hinweg zu trösten versuchten, dass "ohne die SPD keine Regierung zustande kommen kann", verfolgten fast alle mit bangen Blicken die von Prognose zu Prognose wachsenden Anteile für die NPD.