Magdeburg. 17.30 Uhr – Maritim-Hotel Magdeburg. Über die Videowand im Saal "Otto von Guericke" flimmern ARD-Archivbilder vom Atomunfall in Tschernobyl. "Hmm, nicht unbedingt ein Mutmacher", sagt ein CDU-Party-Gast. "Bei Supergau denke ich immer gleich an Rot-Rot."

Doch dazu scheint es nicht zu kommen. Bernd Heynemann, der für ein Landtagsmandat kandidiert, zückt sein Blackberry: 34 CDU, 24 Linke, 21 SPD, 6 grüne verrät Twitter die Tendenz. "Es bleibt wohl bei einer großen Koalition", so der Ex-Schiedsrichter.

Stefan Feldt gehört zur Jungen Union. "Sollte es Rot-Rot geben wird die JU Feuer geben." Besonders schlecht stoßen ihm die Schulvorhaben der Linken auf. "Einheitsschule – das kommt nicht infrage." Er greift den Gedanken vom CDU-Spitzenkandidaten "Hasi" (Reiner Haseloff) auf: "Schüler und Lehrer müssen endlich zur Ruhe kommen."

Die Spannung steigt. Sah es 20 Minuten vor der ersten Prognose noch ziemlich mau im Saal aus, haben sich die Partygäste langsam gesammelt. Doch irgendwie ist die ganz große Spannung raus – Twitter macht‘s möglich.

Dann doch noch der verhaltene Jubel mit Schildchen "Nie wieder rote Laterne": CDU stärkste Partei. Beifall, als klar ist, die SPD liegt hinter der Linken. Das Schreckgespenst: Gewonnen, aber alles verloren (durch Konstellation SPD vor Linke und somit Regierungsbildung) scheint vom Tisch zu sein.

Händeklatschen bei den unter fünf Prozent für die NPD.

Staatsminister Rainer Robra: "Wir reichen der SPD die Hand." Dann bedankt er sich besonders bei den Wählern. Die höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren habe wohl dazu beigetragen, die Extremrechten vom Landtag fernzuhalten.

Doch nicht alle im Saal geben kurz nach 18 Uhr schon Entwarnung mit Blick auf die NPD: "Das wird noch eine lange Nacht."

Eva Wybrands, Vorsitzende der Landes-Frauen-Union, steht unter biertrinkenden und sich zuprostenden Männern: "Gutes Ergebnis, das für die Frauen in der CDU Spielräume eröffnet." Dass die FDP nicht in den Landtag kommt, bedaure sie.

Gemurmel an den Tischen. Das Gerücht von Rot-Rot-Grün macht die Runde. Tobias Krull, Kreisvorsitzender in Magdeburg: "Man soll zwar nie nie sagen, aber wenn die drittstärkste Partei den Ministerpräsident stellen will, muss sie das erst einmal den Menschen erklären."

Gerhard Häusler massiert sich den Rücken. "Kommt von der Wahltour", sagt der 58-Jährige. "Gestern war ich noch am Neustädter See unterwegs." Die meisten dort hätten gesagt, dass sie kein Vertrauen zu den großen Parteien mehr hätten. "aber letztlich hat sich unser Einsatz ja wohl nun doch gelohnt."