Von Grit Warnat

Magdeburg. Es ist 17.50 Uhr, als bei der Wahlparty der Linken der erste Beifall aufbrandet. Eva von Angern steht am Mikrofon im "Porten" im Schauspielhaus, um die Genossinnen und die Genossen zu begrüßen und gleich eine "gute Nachricht" zu verkünden: "Die NPD wird es wohl nicht schaffen." Da laufen auf den beiden Flachbildschirmen an der Wand noch die aktuellen Sportmeldungen vom Tage.

Es ist eng im "Porten". Gefühlte hundert Journalisten wollen von hier berichten. Kameraleute positionieren sich, wollen die Emotionen in den Gesichtern festhalten, wenn die Prognose um 18 Uhr auf den Bildschirmen erscheint. Unter ihnen Jürgen Hildebrand, der Aufregung spürt, wie er sagt. Weil er sich von den gleich erscheinenden Zahlen einen Politikwechsel erhofft. "Ich bin zuversichtlich", sagt er.

"Ton!", wird gefordert. "Macht den Ton an!" Doch die Lautsprecher bleiben stumm. Noch eine Minute bis 18 Uhr, die Kameras sind positioniert. Ein langgestrecktes Ooooooh, als die CDU-Zahl erscheint. Dann der Balken der Linken. Beifall, nicht euphorisch, eher verhalten. Schulterzucken bei einigen Genossen. In der nächsten Sekunde wird es aber richtig laut. Bejubelt wird das Ergebnis der FDP, noch mehr Jubel, als die 4,5 Prozent der NPD erscheinen. Und wieder Beifall bei der Wahlbeteiligung.

Die Scheinwerfer der Sendeanstalten werfen Hitze. Die ARD geht live auf Sendung. Zwei Meter weiter wartet die Kollegin vom ZDF auf ihren Einsatz. MDR-, RTL- und N24-Journalisten suchen und finden schnell Gesprächspartner. Überall Mikrofone, Gespräche, Kamerablitze.

Eva von Angern betritt die kleine Bühne, begrüßt Bundespolitiker Jan Korte. Beide lächeln. Korte spricht von einem "vernünftigen Ergebnis" und einer "maroden Atomregierung". Er und die Runde warten auf die erste Hochrechnung. Die Freude wird größer, als Westerwelle auf dem Bildschirm erscheint und sogleich das Bild gestört ist. "Den will keiner sehen", raunt jemand.

Dietmar Bartsch, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, spricht von einer Mehrheit für eine neue Politik und einer SPD, die jetzt ein Signal Richtung Berlin setzen solle. Und dann blickt Bartsch nach vorn: "Stärkste Partei sind wir beim nächsten Mal." Applaus. Man ist fast wieder unter sich. Die meisten Kameras sind abgebaut.