CDU und SPD werden voraussichtlich am Freitag Sondierungsgespräche über eine mögliche Fortführung des schwarz-roten Bündnisses aufnehmen. Doch wer könnte in einer Neuauflage der Großen Koalition welchen Posten übernehmen? Die Volksstimme präsentiert ein vorstellbares Szenario.

Magdeburg. Die spannendste Frage dürfte werden, wem das Kultusministerium zugeschlagen wird. Die SPD hat schon im Landtagswahlkampf sehr forsch ihren Anspruch auf dieses Ressort erhoben.

Bereits 2006 hatten die Sozialdemokraten ein Auge auf das Kultusministerium geworfen. Doch seinerzeit ging das Haus an die Union, die es mit dem parteilosen Jan-Hendrik Olbertz, dem Wunschkandidaten von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), besetzte.

Seit Oktober 2010 ist Olbertz Präsident der Humboldt-Universität in Berlin. Seine Nachfolgerin im Kultusministerium wurde die Wirtschaftsprofessorin Birgitta Wolff (CDU).

Es ist zu erwarten, dass die CDU das Kultusministerium nicht kampflos abgibt. Sollte das Ressort letztlich aber doch an die SPD gehen, könnte Wolff – so eine Überlegung – neue Wirtschaftsministerin werden. Die 45-Jährige würde Reiner Haseloff (CDU), den designierten Ministerpräsidenten, im Amt beerben.

<6>Die Sozialdemokraten setzen auf Stephan Dorgerloh (SPD) als neuen Kultusminister. Der evangelische Theologe hatte den Bildungskonvent Sachsen-Anhalt von 2007 bis 2010 mitmoderiert. Der 44-Jährige ist allerdings in der CDU umstritten.

Als Kultus-Staatssekretär ist Armin Willingmann im Gespräch; er ist seit 2003 Rektor der Hochschule Harz.

<7>Sollte die Union auf das Kultusministerium verzichten, könnte ihr die SPD dafür das Innenministerium anbieten. An dessen Spitze steht zurzeit der frühere SPD-Landesvorsitzende Holger Hövelmann. In den Personalplanungen der SPD-Parteiführung spielt Hövelmann keine allzu große Rolle mehr.

Als neuer CDU-Innenminister wird der Ex-Staatsanwalt und Fraktionsvize Holger Stahlknecht gehandelt. Der 46-Jährige hat sich im Landtag als Innenpolitiker profiliert. Als Bürgermeister in Wellen (Landkreis Börde) ist er kommunalpolitisch verankert.

<8>Bei einer Neuauflage von Schwarz-Rot gilt als sicher, dass Justizministerin Angela Kolb ebenso im Amt bleiben wird wie Finanzminister Jens Bullerjahn (beide SPD).

Die Sozialdemokraten wollen auch das Ministerium für Gesundheit und Soziales behalten. Norbert Bischoff (59), der im Laufe der vorigen Legislaturperiode nur als Übergangslösung für die ausgeschiedene Gerlinde Kuppe eingesprungen war, hat zunehmend Gefallen an seiner Aufgabe gefunden und sich profiliert.

<9>Allerdings: Hoffnungen auf das Ministeramt macht sich auch der Ex-Bundestagsabgeordnete und Gewerkschafter Andreas Steppuhn (48). Er war zunächst der eigentliche Favorit Bullerjahns für dieses Amt.

Das Agrar- und Umweltministerium dürfte bei der CDU und Minister Hermann-Onko Aeikens bleiben. Auch Europaminister Rainer Robra (59), so ist zu hören, würde gern noch ein paar Jahre als Chef der Staatskanzlei weitermachen. Wie geht es im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr weiter? Karl-Heinz Daehre (66, CDU) gibt das Amt ab. Er könnte von André Schröder, dem bisherigen Staatssekretär, beerbt werden. Mit ihm würde die Ministerriege weiter verjüngt – der Sangerhäuser ist 41 Jahre. Sachsen-Anhalt/Meinung I

   

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