Von Gesine Biermann

Gardelegen. Hunde sind auch nur Menschen. Da gibt es faule oder fröhliche Exemplare, manche sind irgendwie ein bisschen begriffsstutzig, andere wiederum verstehen jedes Wort und sehen fast so aus, als ob sie sprechen könnten.

Das allerdings "kann sie noch nicht", sagt die Gardelegerin Gundula Klinke amüsiert. Obwohl sich das fröhliche "Wuff", das Labradorhündin Lina da an der Wohnungstür von sich gibt, fast wie "Tach" anhört.

Lina mag Menschen. Jeder sieht das. "Ihr freundliches Wesen" sei typisch für die Rasse, erklärt Linas Frauchen. Vor allem aber lieben Labradore geistige und körperliche Beschäftigung. Eine Eigenschaft, die bei Lina wohl besonders ausgeprägt ist. Denn die neunjährige Hündin lernt fast täglich etwas Neues. "Sie liebt es, wenn ich ihr eine Aufgabe stelle", erzählt Gundula Klinke. Und sie "merkt sich alles, was sie gelernt hat." Zum Beispiel kann Lina zählen. "Drei", sagt Frauchen zum Beweis und hält drei Finger hoch. Genau drei Mal bellt Lina daraufhin, sitzt dann schwanzwedelnd still und schaut abwartend hoch. Schließlich gibt es für sie dann immer ein Leckerli und mindestens ein "Fein gemacht" aus Frauchens Mund.

Wie gelehrig die Hündin ist, hatte ihre Halterin schnell gemerkt, nachdem Lina vor etwa vier Jahren Einzug in ihre Wohnung hielt. "Eher aus Mitleid" hatte die Gardelegerin das scheue Tier damals bei sich aufgenommen. "Sie war völlig vernachlässigt, die Besitzer wollten sie ins Tierheim bringen", erzählt Klinke. Ihre Mischlingshündin war kurz zuvor eingegangen. "Eigentlich wollte ich keinen Hund mehr haben."

"Lina hilft sogar bei der Hausarbeit"

Dass sie sich damals für Lina entschieden hat, macht sie heute aber sehr glücklich. Und Lina "sieht" das offensichtlich genauso. Denn die "hilft mittlerweile sogar bei der Hausarbeit", sagt Gundula Klinke zwinkernd und schickt Lina mal eben den "Besen" holen. Brav trabt die los und kommt mit dem Handfeger wieder. Und sie weiß auch sofort, wo sie den Einkaufskorb findet oder andere Haushaltsgegenstände. Frauchen niest laut. Lina holt ihr umgehend die Tempotaschentücher aus dem Bad. Und das mit dem Bellen nach Zahlen funktioniert locker bis fünf. Ohne Fehler. Auch durcheinander oder mehrmals hintereinander.

"Rund fünf bis zehn Minuten üben wir täglich", sagt die 52-Jährige. "Danach ist sie dann erst mal müde." Wenn Frauchen den Unterricht allerdings mal vergisst, wird sie von Lina erinnert. Dann holt die selber das eine oder andere Teil aus der Wohnung, legt es vor Gundula Klinke hin und sagt: "Wuff". Das heißt dann so viel wie: "Los, sag was ich machen soll!"

Mit dem Sprechen könnte es also durchaus noch was werden. Schon jetzt verstehen sich die zwei nämlich ganz genau.

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