Der bundesweite Lokführerstreik bei Konkurrenten der Deutschen Bahn AG hat gestern auch in Sachsen-Anhalt zu Zugausfällen und Verspätungen geführt. Die Gewerkschaft GDL hatte die Lokführer großer regionaler Unternehmen zu einem 24-stündigen Ausstand aufgerufen. Davon waren Kunden des HarzElbeExpresses (HEX) und der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) betroffen.

Halberstadt (dpa). Die Lokführer des HEX legten gestern Morgen um 2.30 Uhr ihre Arbeit nieder. Manfred Ohme, Vizechef Mitteldeutschland der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), sagte, alle Lokführer, die Mitglied in der GDL seien, wären dem Aufruf gefolgt.

"Wir waren gut vorbereitet und haben für den HEX einen Notfahrplan aufgestellt", sagte die Sprecherin des Betreiberunternehmens Veolia, Cathrin Göthe. Dadurch habe der Zugbetrieb auf den Hauptstrecken Magdeburg – Halberstadt und Halberstadt – Halle aufrechterhalten werden können. Die Züge seien von Lokführern, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind, oder von Mitarbeitern aus der Verwaltung gefahren worden.

Auf den kleineren HEX-Strecken zwischen Halberstadt und Vienenburg, Halberstadt und Blankenburg, Halberstadt und Thale sowie zwischen Bernburg und Könnern seien Busse und Taxis als Ersatz eingesetzt worden. Wie viele Menschen von den Ausfällen betroffen waren, konnte Göthe nicht sagen. Die Reisenden seien gut informiert gewesen, viele seien vermutlich gleich auf andere Transportmittel umgestiegen.

Beeinträchtigungen gab es auch bei der Selketalbahn im Harz sowie im Raum Nordhausen, wie die HSB mitteilten. Die Dampfzüge auf den Brocken seien allerdings planmäßig gefahren.

Mit den Arbeitsniederlegungen sollen bundesweit einheitliche Standards für alle Lokführer durchgesetzt werden. Bei der Deutschen Bahn wird nicht gestreikt. Betroffen waren neben Veolia die Bahn-Wettbewerber Abellio, Arriva, Benex, Keolis und die Hessische Landesbahn. Sie beschäftigen zusammen rund 4500 Lokführer.

Aus Sicht der GDL war der Streik gut angelaufen. 90 Prozent der Züge seien betroffen gewesen. "Bundesweit befinden sich mehr als 150 Lokführer aus 26 Unternehmen im Ausstand", sagte gestern GDL-Chef Claus Weselsky. "Das ist ein Zeichen, dass es vorwärts geht." Die Stimmung unter den Streikenden beschrieb Weselsky als gut. Mit einem schnellen Erfolg im Tarifkonflikt schon nach ein oder zwei Streiktagen rechnet Weselsky aber nicht.