Magdeburg. Anlässlich der gestern begonnenen Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD haben die beiden größten Naturschutzverbände in Sachsen-Anhalt verstärkte Anstrengungen und konkrete Zielsetzungen für den Umwelt- und Naturschutz gefordert.

"Wir brauchen keine Sonntagsreden und ein Weiter-So, sondern abrechenbare Ziele, was eine neue Regierungskoalition verbessern will", sagte die Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Helene Helm, der Volksstimme. Oliver Wendenkampf, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sagte: "Der Umweltpolitik des Landes fehlten in den zurückliegenden fünf Jahren eigene Impulse. Sie bestand fast ausschließlich darin, EU-Vorgaben umzusetzen, allerdings zumeist halbherzig und schlecht."

Ein positiver Aspekt sei laut Wendenkampf die Ausweisung von Großschutzgebieten wie dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz. "Diese Gebiete müssen entwickelt werden. Da sind wir hintendran."

NABU und BUND erwarten eine deutliche Abkehr des Landes von der Agro-Gentechnik, Artenschutzprogramme, eine Stärkung des Ehrenamtes im Umwelt- und Naturschutz sowie eine bessere finanzielle Basis für die eingetragenen Naturschutzverbände. Beide Verbände verlangten Festlegungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und eine Abkehr von kostspieligen Verkehrsprojekten wie dem Saalekanal, der Autobahn 14 und der B87n, der Ortsumgehung Bad Kösen/Naumburg. Bei der B87n ist vor allem die geplante 1200 Meter lange Brücke über das Saaletal hochumstritten.

NABU-Chefin Helm sagte: "In fast allen Bereichen wird der Bevölkerungsrückgang im Land berücksichtigt. Nur bei Verkehrsprojekten nicht."

BUND-Geschäftsführer Wendenkampf forderte: "Wir müssen den Klimaschutz und den Hochwasserschutz stärker an konkreten Projekten im ländlichen Raum festmachen, Flussauen mehr Raum geben, alte Flussarme wieder anschließen und Projekte zum Moorschutz auflegen." Zudem müsse sich das Land von einer "einseitigen Förderung der industriellen Landwirtschaft verabschieden. "Sachsen-Anhalt braucht ein Leitbild mit konkreten Zielen, in welche Richtung man die heimische Landwirtschaft entwickeln will. Die einseitige Förderung der industriellen Großmastbetriebe sollte von einer ausgewogenen Landwirtschaftspolitik abgelöst werden, die auf nachhaltige Entwicklung von bäuerlichen und von ökologisch wirtschaftenden Betrieben setzt", sagte Wendenkampf. NABU-Chefin Helm sagte: "Sachsen-Anhalt sollte nicht das Ziel haben, das Schweineland Deutschlands zu werden."

Beide Verbände treten dafür ein, dass das Land eine Vorbildrolle in der ökologisch verträglichen Energieerzeugung einnimmt. Wendenkampf: "Es wäre ein Anfang, wenn Sachsen-Anhalt seine eigenen Gebäude und Einrichtungen nicht mehr mit Atomstrom versorgen lässt. Jeder Energieversorger bietet mittlerweile Öko-Stromtarife an." Ebenso müsse das Land seine Gebäude ernergetisch sanieren und die Kommunen dabei unterstützen, die Wärmedämmung auf den aktuellen Standard zu bringen.

Helene Helm: "Umweltminister Aeikens hat in seiner Regierungserklärung zum Umweltschutz korrekt festgestellt, dass aktiver Umweltschutz zwar Geld kostet, aber viel billiger ist, als wenn man entstandene Umweltschäden reparieren muss. Leider sehen wir diese Erkenntnis in der Praxis bisher nicht umgesetzt. Wir trauen aber jedem zu, dass er lernfähig ist." Man werde sich den neuen Koalitionsvertrag unter diesem Aspekt "sehr genau ansehen".