Magdeburg. Im Haus 39 des Universitätsklinikums Magdeburg wurde eines der modernsten Geräte für die Diagnostik und Therapiesteuerung von Krebserkrankungen in Betrieb genommen. Nur an rund 70 Standorten in Deutschland steht so eine "Röhre", die offiziell PET-CT-Gerät heißt. PET steht dabei für Positronen-Emissions-Tomographie und CT für Computertomographie.

"Mit dem Gerät werden die Vorzüge der anatomischen Detaildarstellung durch die Computertomographie und die Visualisierung von Stoffwechselvorgängen mittels PET in nur einer Untersuchung miteinander verbunden", erläuterte Prof. Holger Amthauer, Chef der Nuklearmedizin des Klinikums, gestern das innovative Diagnoseverfahren vor der Presse. Durch die Verbindung der beiden Bild gebenden Verfahren könnten Tumore und deren Tochtergeschwülste präzise lokalisiert werden. Aus diesem Wissen wiederum könne abgeleitet werden, welche Behandlung für den Krebspatienten in Frage komme. So sei es möglich, mit einer hohen Treffsicherheit festzulegen, ob ein Patient operiert, bestrahlt oder mit einer Chemotherapie behandelt werden muss.

Die PET-CT-Untersuchung dauert etwa einen halbe Stunde. Zuvor wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Zuckerlösung injiziert. Die PET erkennt das Krebsgewebe aufgrund eines gesteigerten Stoffwechsels der kranken Zellen. Die Tumore werden als leuchtende Punkte in den befallenen Organen (sichtbar durch die Computertomographie) abgebildet.

Vorerst wird die Untersuchungsmethode, die jeweils rund 1000 Euro kostet, bei Lungen- und Darmkrebs sowie bei bösartigen Tumoren des Lymphsystems angewendet, allerdings nicht als vorbeugende Maßnahme, sondern nur bei einem Verdacht bzw. einem Befund.

Darüber hinaus gibt es ein weiteres Problem bei der Anwendung von PET-CT. Das Verfahren ist bis auf eine Krebsart (Bronchialkarzinom) noch nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Eine Kostenübernahme muss beantragt und von den Kassen genehmigt werden. Eine Ausnahme machen dabei seit gestern AOK-Versicherte. AOK-Landeschef Uwe Deh und der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Jan Hülsemann, unterzeichneten den ersten "Vertrag zur integrierten Versorgung von Krebspatienten mittels PET-CT-Diagnostik" in Sachsen-Anhalt.

"Gerade bei schweren Krebserkrankungen ist es ganz entscheidend, dass Patienten schnellstmöglich die richtige Therapie erhalten", sagte Deh. Mit dem Vertrag wolle die AOK für ihre Versicherten den Weg zu einer wirkungsvollen Behandlung verkürzen. Da rund die Hälfte aller Patienten des Uniklinikums AOK-Versicherte seien, so Hülsemann, würde der Vertrag bereits sehr wirksam. Er hoffe, dass andere Kassen ebenso unbürokratisch ihren Mitgliedern die Anwendung dieses leistungsfähigen Verfahrens ermöglichen.