Deutschlands größte Trinkwassertalsperre, die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt, wird ein Schwerpunktgebiet eines bundesweiten Forschungsprojektes zum Klimawandel mit vier Observatorien in verschiedenen Regionen. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Leipzig/Halle/Magdeburg) installiert an dem Stausee und seinen Zuläufen im Harz in den nächsten Monaten Messtechnik für eine halbe Million Euro.

Magdeburg.Das geplante Observatorium im Harz soll vor allem mehr Aufschlüsse über ein pflanzliches Abfallprodukt bringen, das die Wasserwirtschaft weltweit beunruhigt – sogenannte Huminstoffe. Die Substanz, die bei der Zersetzung abgestorbener Pflanzen entsteht, ist zwar ungiftig, beeinträchtigt aber dennoch die Aufbereitung von Trinkwasser. Die Konzentration von Huminstoffen steigt seit 15 Jahren in vielen Gewässern der Erde an, darunter auch in den für die Trinkwasserversorgung wichtigen Talsperren.

"Die Wasserwerke sind darauf nicht ausgerichtet", weiß Karsten Rinke, Leiter der Abteilung Seenforschung im UFZ Magdeburg. Bei der Desinfektion des Wassers reagieren die Huminstoffe mit Chlor und bilden Nebenprodukte, welche als gesundheitlich bedenklich gelten.

Warum der Anteil von Huminstoffen in Gewässern steigt, wissen die Forscher noch nicht. Eine Vermutung lautet, dass durch den Klimawandel Extremereignisse wie starke Niederschläge zunehmen und mehr organische Stoffe in das Wasser spülen als vorher.

Messgeräte senden täglich Daten

Die Rappbodetalsperre ist eines der wichtigsten Trinkwasserreservoirs in Sachsen-Anhalt. Von dort aus werden die Landkreise Harz, Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Salzlandkreis, Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg sowie die Stadt Halle versorgt. Die Talsperre erfüllt aber auch eine wichtige Funktion im Hochwasserschutz, da sie binnen kurzer Zeit große Mengen Wasser aufnehmen kann.

Das Umweltforschungszentrum will nun über Jahre hinweg beobachten, was sich in der Talsperre tut. Dazu werden an neun Stellen an Hauptsperre und Vorsperren Messgeräte eingesetzt. Sie messen neben der Huminstoffmenge beispielsweise Temperatur, Sauerstoffgehalt, Trübung und Algenmenge. Alle Daten werden täglich per Funk an einen zentralen Rechner in Leipzig übertragen und können auch vom Sitz der UFZ-Abteilung Seenforschung in Magdeburg aus ausgewertet werden.

"Wir wollen die Talsperre mit einem Computermodell simulieren und so die Dynamik dieses Ökosystems darstellen", sagt Abteilungsleiter Rinke. "Bisher hatten wir solche Möglichkeiten nicht." Die Rappbodetalsperre werde damit zu einem Modellstandort, so der Biologe. Zur Zunahme der Huminstoffe im Wasser sagt er: "Es besteht kein Anlass zur Panik, aber wir sind gut beraten, rechtzeitig Strategien zum Umgang mit diesem Phänomen zu entwickeln."

Das Observatorium im Harz wird in Zusammenarbeit mit dem Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt und dem Fernwasserversorger Elbe-Ostharz aufgebaut. Es gehört zu einer von bundesweit vier Beobachtungsplattformen, die die Helmholtz-Gemeimschaft im Rahmen ihres TERENO-Projekts einrichtet, um in den nächsten 15 Jahren die Folgen des Klimawandels besser einschätzen zu können. Die Plattformen sind in klimatisch unterschiedlichen Regionen Deutschlands angesiedelt: neben dem Harz auch das Nordostdeutsche Tiefland, die Niederrheinische Bucht und das Alpenvorland.

Für TERENO werden insgesamt zwölf Millionen Euro ausgegeben. Ein Viertel davon wird in Mitteldeutschland investiert, wo neben dem Rappbodetalsperren-Observatorium unter anderem 20 weitere Messstationen im weiteren Verlauf des Flusses Bode und seiner Nebenflüsse aufgebaut werden.

 

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