Die globale Finanzkrise erwischte Sachsen-Anhalt nicht so stark wie manche Bundesländer im Westen – dafür ist nun der Aufschwung auch nicht so rasant. Die Wirtschaft wächst, der Abstand zum Westen ist aber noch enorm.

Magdeburg (dpa). Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt hat die Krise überwunden und nimmt wieder Fahrt auf. 2010 kletterte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,4 Prozent, wie Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) gestern in Magdeburg mitteilte. Im Krisenjahr 2009 war die Wirtschaft um 4,8 Prozent geschrumpft.

Damit fiel das Wachstum in Sachsen-Anhalt vergangenes Jahr stärker aus als im Schnitt der fünf neuen Länder, die um 2,0 Prozent zulegten. Bundesweit wuchs das BIP allerdings noch stärker – nämlich um 3,6 Prozent. Haseloff begründete dies mit dem stärkeren Absturz der Wirtschaft im Westen, die nun stärker vom Aufholprozess profitiere.

Wachstumsmotor war die Industrie: Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Leistung um 12,6 Prozent – mehr als im ostdeutschen Durchschnitt (10,3 Prozent) und auch mehr als im Bundesvergleich (11,3 Prozent). Dämpfend wirkte sich dagegen das Baugewerbe aus, das einen Rückgang von 1,3 Prozent zu verbuchen hatte – bundesweit war es ein Plus von 1,7 Prozent.

Das Wachstum der Wirtschaft schaffte auch neue Jobs. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 5100. Die Arbeitslosigkeit lag 2010 durchschnittlich bei 12,5 Prozent und damit so niedrig wie seit 1991 nicht mehr. Zum Vergleich: 2009 betrug die Arbeitslosenquote noch 13,6 Prozent, im Jahr zuvor 14,0 Prozent.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr 22 245 Euro – damit landete Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz. Noch weiter hinten lag nur Mecklenburg-Vorpommern mit 21 730 Euro, die übrigen neuen Länder liegen nur wenig besser. Bundesweiter Spitzenreiter war Hamburg mit 49 638 Euro pro Kopf, unter den Flächenländern lag Hessen mit 37 101 Euro vorne.

Die Pro-Kopf-Berechnung spiegelt die Lage allerdings nicht richtig wider, wenn Menschen ihren Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt haben und zur Arbeit in andere Bundesländer pendeln. Die Wirtschaftsleistung pro Erwerbstätigem – die durch diesen Effekt nicht verändert wird – lag bei 51 470 Euro. Hier lag Sachsen-Anhalt noch vor Sachsen (48 696 Euro), Thüringen (48 773) und Mecklenburg-Vorpommern (49 173). Aber auch bei diesen Pro-Kopf-Zahlen führen westliche Bundesänder – in Hamburg waren es 77 730 Euro und in Hessen 71 843 Euro.

Das BIP enthält den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb der Landesgrenzen produziert werden.Meinung I