Mit einer Verbrecherjagd über den gut besuchten Marktplatz von Quedlinburg ging in der vergangenen Woche eine Verbrechensserie zu Ende, die die Polizei im Harz seit einigen Monaten in Atem gehalten und die Einwohner der Region zunehmend in Unruhe versetzt hatte. Auf das Konto der 16 Tat- verdächtigen kommen mindes-tens 150 schwere Einbrüche.

Quedlinburg. Eigenheime, Wohnungen, Büro- und Diensträume, Sport- und Kultur-einrichtungen, Hotels, Gaststätten sowie Arztpraxen und Kin-dereinrichtungen – nichts war vor den Einbrechern sicher. Deren Aktivitäten ließen die Zahl der Delikte in diesem Bereich in Quedlinburg und Umgebung von Dezember 2010 bis Februar 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 372 auf 747 hochschnellen. Die Polizei reagierte und eine Ermittlungsgruppe "UNESCO" (in Anlehnung an das Weltkulturerbe der Stadt), bestehend aus sieben Beamten, nahm die Ermittlungen auf.

Peter Pogunke, Sprecher des Harzreviers, erklärte gestern die schwierige Ausgangslage: "Es gab kein System, nach dem die Täter vorgingen. Sie nutzten sowohl die offene Autotür, gingen andererseits allerdings auch mit brutaler Gewalt vor, setzten Stemmeisen und Axt ein." Der Schaden durch die Verwüstungen sei oft größer gewesen als die Beute. Die Gruppierung habe allerdings auch "eine Vielzahl von Fingerabdrücken und DNA-Spuren verursacht". Nach einiger Zeit sei klar geworden, dass es sich nicht um Einbruch-Profis handeln konnte. Pogunke sagte: "Zivilstreifen nahmen Bereiche unter die Lupe, die von den Tätern besonders bevorzugt wurden." Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich möglicherweise um eine Gruppe von Drogensüchtigen handelte und die Einbrüche sogenannte Beschaffungskriminalität waren.

Dass diese Vermutung richtig war und die Einbrecher aus der Kokain- und Heroin-Szene kommen, wurde spätestens klar, als im März/April 16 Tatverdächtige im Alter zwischen 18 und 31 Jahren ermittelt werden konnten. Zwei Heranwachsende und drei Erwachsene kamen in Untersuchungshaft. Schon damals konnten ihnen 60 Taten nachgewiesen werden.

Pogunke erklärte: "Die meisten Festgenommenen zeigten sich aussagewillig, so dass inzwischen mehr als 150 Taten aufgeklärt und weitere elf Verdächtige – Mittäter und Hehler – ermittelt werden konnten."

Zu den "hochkarätigen" Verdächtigen gehört ein 20 Jahre alter Quedlinburger. Dem heroinabhängigen Kevin B. wird unter anderem vorgeworfen, im Januar mit Waffengewalt die Ostharzer Volksbank in Gernrode überfallen und 5000 Euro erbeutet zu haben.

In der vergangenen Woche lieferte er sich mit der Polizei in der Quedlinburger Innenstadt zu Fuß eine Verfolgungsjagd – über Hinterhöfe bis zum Hotel "Zum Bären". Dort versteckte er sich auf der Damentoilette.

Das Landeskriminalamt gleicht sein Bild mit den Fotos der Bank-Überwachungskamera ab, um ihn zu überführen.

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