Langenstein. Mit einer feierlichen Zeremonie ist gestern an die Befreiung des KZ Langenstein-Zwieberge vor 66 Jahren erinnert worden – und ein zehn Jahre altes Versprechen wurde eingelöst. Die Fläche vor dem Mahnmal der Gedenkstätte nahe Halberstadt ist endlich als Gräberfeld erkennbar. Hier ruhen mehrere hundert Todesopfer des einstigen Konzentrationslagers, die Namen von 772 hier verscharrten Männern konnten inzwischen ermittelt werden.

Sandsteinhügel markieren nun die genaue Lage der sechs Massengräber. André Baud, Sohn des Lagerüberlebenden Claude Baud, sprach im Namen der gestern anwesenden vier Überlebenden des Lagers und von rund 60 Angehörigen von Opfern aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Polen, der Ukraine, Lettland und Italien. Er sagte: "Nun haben alle, die hier ruhen, ein Grab. Die Menschen, die 1945 wahllos in diese Massengräber geworfen wurden, als Ausdruck dafür, dass sie nichts mehr wert seien, die von den Nazis zuvor ihres Namens beraubt wurden, ... die schließlich vernichtet und entsorgt wurden wie abgenutztes Werkzeug – diese Menschen haben dank uns allen ihre Würde zurückerhalten."

Das unterstrich auch Kai Langer, Direktor der Gedenkstättenstiftung des Landes, der sagte: "Bis vor kurzem entsprach die überlieferte Gestaltung des vor uns liegenden Gräberfeldes weder den Erkenntnissen über die Grablagen noch den Anforderungen der heutigen Gedenk- und Erinnerungskultur."

Dass dieses für die Gedenkstättenarbeit "so wichtige Projekt jetzt verwirklicht werden konnte", sei einer großen Zahl von Beteiligten zu verdanken. Zuallererst nannte Langer den inzwischen verstorbenen Künstler Johann-Peter Hinz, der die erste konkrete Gestaltungsidee entwickelt hatte. Doch auch Überlebende, Angehörige und der Förderverein hätten gemeinsam mit einer Expertenrunde dafür gesorgt, dass es einen politischen Konsens zur Umgestaltung gab. Und seiner kommissarischen Amtsvorgängerin Ute Hoffmann sei für die Erstellung eines tragfähigen Finanzierungskonzeptes sowie die Einwerbung von Fördermitteln zu danken.

Die 153 000 Euro teure Umgestaltung finanzierten Bund, Land, Landkreis Harz und die Lottogesellschaft Sachsen-Anhalt.