Thale/Schierke (dpa). Im Harz ist an diesem Sonnabend der Teufel los. Zur traditionellen Walpurgisnacht gibt es in nahezu allen Orten von Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge viel Tamtam um jene Gestalten, die einmal im Jahr aus der Hölle zum Feiervolk emporsteigen. Hochburgen der Walpurgisfeiern sind der Luftkurort Schierke, der Hexentanzplatz bei Thale und die Städte Wernigerode, Braunlage und Bad Lauterberg. Mehrere zehntausend Besucher kommen alljährlich aus ganz Deutschland, um eine rauschende Walpurgisfeier zu erleben. Die Veranstalter rüsten auf, denn das Partyvolk will den "Wow-Effekt".

Thale

Die Hexentanzplatz Thale GmbH richtet nach eigenen Angaben die spektakulärste Walpurgisfeier im Harz aus. Auf der eigens eingerichteten Internetseite wird diese als ein "grandioses Show-Event" bezeichnet. Auf dem Programm steht die Deutschland-Premiere des Stücks "Mephistos Reise"; eine "multimediale Feuer- und Lasershow mit Tanzakrobatik". "Nur eine Bühne hinzustellen und eine Band spielen zu lassen, reicht nicht mehr", sagt Annette Schnurre vom Organisationsteam. "Die Show lockt Leute, und wenn man ein breites Publikum ansprechen will, muss man vielfältig sein." Abwechslung, Unterhaltung und Action seien eine gute Mischung, so Schnurre. Konkurrenz durch die Party in Schierke befürchtet man auf dem Hexentanzplatz nicht. "Dort liegt der Schwerpunkt auf Mittelalter", sagt Schnurre. "Damit erreicht man eine ganz andere Zielgruppe."

Schierke

Der Wernigeröder Ortsteil am Fuße des 1142 Meter hohen Brockens hält ein "besonders spektakuläres Programm" für seine Besucher bereit. "Der Mittelaltermarkt im Kurpark wird so groß sein wie noch nie", sagt Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock. "Das Höhenfeuerwerk und der Umzug der Vereine werden auch anders als gewohnt." Da gerät das Engagement der nach eigenen Angaben bekanntesten deutschen Mittelalterband "Corvus Corax" fast zur Nebensächlichkeit.

Bad Lauterberg

Bad Lauterberg (Niedersachsen) schickt als Unterhaltungshöhepunkt ein schwimmendes Lagerfeuer auf einem Floß auf die Reise und will danach den Winter mit einer "atemberaubenden Feuershow" vertreiben. Die Organisatoren setzen auf Stimmung und Nervenkitzel. Braunlage hat sogar den "Oberteufel" engagiert und geizt auch sonst nicht mit Entertainment. In der Stadt machen Schmink-Teams aus jedem Gast einen Walpurgis-Fan, Hexen schweben im Kurpark ein und zwei sogenannte Satellitenbühnen sollen den Auftritt einer Feuergruppe unvergesslich machen. "Braunlage steht wieder Kopf!", kündigt die Internetseite an.

Wernigerode

Relativ neu im Kalender ist die Walpurgisveranstaltung, mit der das Schloss Wernigerode Besucher zum Feiern bewegen will. Zum dritten Mal dreht sich am Wahrzeichen der Tourismushochburg alles um schauerliche Hexengestalten. "Die Kulisse des Schlosses eignet sich hervorragend für Veranstaltungen wie diese", sagt Geschäftsführer Christian Juranek. "Das Thema Hexe spiegelt sich in den unterschiedlichsten Facetten wider." Und tatsächlich geht nichts ohne die teufelsverrückte Besenreiterin: Hexenmarkt, Hexenmusik, Hexentanz, Hexenfeuershow und Hexengastronomie lassen grüßen.

Die Walpurgisnacht hat ihren Ursprung in einem germanischen Brauch. Die Legende erzählt, dass sich die Hexen zunächst mit ihrem Teufelsmeister auf dem Hexentanzplatz und später auf dem Brocken – auch Blocksberg genannt – getroffen haben. Sie feierten Orgien, tanzten um das Feuer und empfingen vom Höllenvater Zauberkräfte. Berühmt wurde die Walpurgisnacht durch Johann Wolfgang Goethe, der seinen Protagonisten in "Faust" von Mephisto zum Hexentanz auf den Brocken locken ließ. Heute sollen mit gruseligen Kostümen und rauschenden Festen die bösen Wintergeister vertrieben werden.