Rosian. Gnadenhochzeit feierten gestern Berta und Paul Grunwald in Rosian (Jerichower Land). Vor 70 Jahren gaben sie sich mitten im Krieg im damaligen Groß-Rautenberg in Ostpreußen das Ja-Wort. Die beiden stammten aus kleinen Dörfern der Gegend. Für die Heirat und die anschließende kirchliche Trauung erhielt ihr Ehemann Paul Sonderurlaub, musste anschließend wieder an die Front und geriet in sowjetische Gefangenschaft.

Seine Frau Berta musste nach dem Krieg die Flucht antreten. Über Danzig und das Oderhaff erreichte sie ein Flüchtlingslager. Drei Jahre nach ihrer Flucht siedelte sie sich 1947 in Rosian an. Ein Jahr später wurde ihr Mann aus Krankheitsgründen aus der Gefangenschaft entlassen. Er fand seine Frau in Rosian wieder.

Beide waren Jahrzehnte in der Landwirtschaft aktiv. Bis zu ihrem 70. Lebensjahr haben sie noch voll gearbeitet. Heute kümmern sich die beiden 93-Jährigen noch um ihr Haus, welches sie in den 1960er Jahren gebaut haben, sowie um ihren großen Garten. Mit Leidenschaft baut Paul Grunwald dort jedes Jahr Obst und Gemüse an. Daneben halten die beiden Rentner noch einige Tiere. Beide sehnen sich auch Jahrzehnte nach der Flucht nach ihrer alten Heimat, sagte Berta Grunwald. Vor einigen Jahren haben sie ihren alten Heimatort bereits besucht. Kaum wiedererkannt habe sie ihr Elternhaus, beschrieb sie. Im Krieg sei alles zerstört worden.

Gestern besuchten Landrat Lothar Finzelberg, Möckerns Bürgermeister Frank von Holly und Ortsbürgermeisterin Gudrun Donner das Jubiläumspaar. "Die Gnadenhochzeit ist einzigartig im Landkreis", sagte Lothar Finzelberg. Das nächste Paar sei noch zweieinhalb Jahre davon entfernt.