Ziepel. Integration und Toleranz stehen beim Straßenfußball, auch Streetsoccer genannt, im Vordergrund. Während es beispielsweise in Hamburg und Brandenburg schon Ligen gibt, ist Sachsen-Anhalt noch nahezu unbefleckt.

Doch es tut sich etwas: In Ziepel bei Möckern stellte Horst Thiele im vergangenen Jahr das erste Streetsoccer-Turnier für Jugendliche auf die Beine, mit erstaunlicher Resonanz. "Etwa 70 Mädchen und Jungen kickten in acht Teams um die Pokale", erinnert sich der 58-Jährige. Der engagierte Mann musste aus Krankheitsgründen vor einiger Zeit seinen Job aufgeben und betreibt seitdem ehrenamtlich in vielen Bereichen aktive Jugendarbeit.

Die Idee, diesen Sport in Ziepel anzubieten, entwickelte Horst Thiele vor zwei Jahren, nachdem er sich ein Streetsoccer-Turnier im brandenburgischen Wittenberge angeschaut hatte. Interessierte Jugendliche fand er unter den Teilnehmern des ALSO-Projekts Möckern.

Doch die nötige Unterstützung aus dem Kreis- und Landessportbund blieb aus. "Wir müssen uns die Begrenzungswände für das Spielfeld, die sogenannten Courts, aus Brandenburg ausleihen. Da klappt die Zusammenarbeit super", zeigt sich Horst Thiele einerseits froh, aber auch enttäuscht über die Resonanz aus Sachsen-Anhalt. Doch entmutigen lässt sich der Wart der Jugendfeuerwehr Ziepel nicht. Auch in diesem Jahr werden wieder Streetsoccer-Turniere stattfinden, eins im Mai und eins im September.

"Es freuen sich schon alle sehr darauf", weiß die elfjährige Angelina Kunz, die bereits im letzten Jahr teilgenommen hatte. Sie ist begeistert von der Initiative Horst Thieles: "Streetsoccer macht sehr viel Spaß und ist ein ganz neues Hobby für mich und viele meiner Freunde."

Seit Beginn des Jahres treffen sich die jungen Teilnehmer aus dem kleinen Ort immer montags, um für das Turnier zu trainieren.

Doch die Rahmenbedingungen für das Ausüben von Streetsoccer gestalten sich schwierig. Schließlich gibt es im gesamten Jerichower Land keine Courts, die von interessierten Straßenfußballern ausgeliehen werden können.

Horst Thiele wünscht sich, dass in Kreis und Land mehr Streetsoccer gespielt wird, so dass vielleicht auch in Sachsen-Anhalt eine Streetsoccer-Liga eröffnet werden könnte: "Der soziale Aspekt ist nämlich sehr wichtig. Für Toleranz und ein faires Miteinander im Spiel sorgen die Regeln und trotzdem findet unter den Teams ein Kräftemessen statt. Die Spieler lernen Teamfähigkeit und gegenseitige Akzeptanz", so Thiele. Aus diesen Gründen sei es besonders förderlich, dass sich auch anderswo im Land engagierte Bürger finden, die mit Jugendlichen Projekte in dieser Form auf die Beine stellen.

"Vor Jahren schon starteten wir einen Anlauf für eine Straßenfußball-Toleranz-Tour", weiß Matthias Loerke, Geschäftsführer der Sportjugend Sachsen-Anhalt, und gesteht: "So banal es auch klingt, es hat sich einfach keine Mehrheit gefunden, die dieses mehrere zehntausend Euro teure Projekt über einen längeren Zeitraum hinweg finanziert hätte, was ich persönlich sehr schade finde."

Im Regelwerk von Straßenfußball für Toleranz ist unter anderem festgelegt, dass mindestens ein Mädchen pro Mannschaft mitspielen und außerdem ein Tor schießen muss, damit auch die der Jungen zählen. Am Spielfeldrand muss eine Dialogszene eingerichtet werden, in der vor dem Spiel Fairplay-Punkte besprochen werden, die es während des jeweiligen Spiels einzuhalten gilt. Nach jeder Partie wird dort ausgewertet, ob die selbst aufgestellten Regeln beachtet wurden. Die Fairplay-Punkte entscheiden gleichermaßen über Sieg und Niederlage wie die Tore.

Sogenannte Teamer betreuen die Spielabläufe und unterstützen die Dialogszenen vor, während und nach dem Spiel, denn Konfliktlösung steht beim Streetsoccer an oberster Stelle.

Interessierte Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren können sich noch bis zum 30. April für das Streetsoccer-Turnier am 8. Mai in Ziepel bei Möckern anmelden unter 0162-4324145 oder unter (039224) 97762. Weitere Informationen zu Straßenfußball für Toleranz gibt es per E-Mail unter info@strassenfussball.de.

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