Nun kommt er doch. Die im Februar kurzfristig abgesagte Diskussion im Halberstädter Dom mit Thilo Sarrazin wird morgen in der Halberstädter Moritzkirche nachgeholt. Der wegen seiner ausländerkritischen Äußerungen umstrittene Politiker sorgt weiter für einen innerkirchlichen Streit.

Halberstadt. Sarrazin kommt auf Einladung der Kirchspiel-Gemeinde in die Vorharzstadt. Im Rahmen der Gesprächsrunde "Halberstädter Abend" soll der SPD-Politiker zu seinen Thesen über Einwanderung und Überfremdung Stellung nehmen.

Bischöfin Ilse Junkermann hatte den ursprünglichen Termin im Februar wegen der Nähe zur Landtagswahl kritisiert. Deshalb hatte die Kirchspiel-Gemeinde Sarrazin wieder ausgeladen. Pfarrer Harald Kunze sagte: "Er hat einen zweiten Termin angeboten. Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich für Sarrazin ausgesprochen."

Dieser Gemeinderat mit 16 Mitgliedern vertritt etwa 3500 evangelische Christen in Halberstadt. Die Veranstaltung soll nun nicht mehr in der Winterkirche des Doms (220 Plätze), sondern in der Moritzkirche (400 Plätze) stattfinden. Es wird zwar kein Eintritt erhoben, aber der Zutritt erfolgt erst nach schriftlicher Anmeldung bei der Gemeinde. Kunze erklärte: "Wir wollten so eine Unterwanderung durch die NPD unterbinden." Trotz dieser Zutrittsbeschränkung habe die Gemeinde mehr als 500 Anfragen gehabt. Die Moritzkirche wird bis auf den letzten Platz besetzt sein.

Die evangelische Kirchenleitung in Magdeburg steht der Sarrazin-Veranstaltung nun offen gegenüber. Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser sagte: "Sarrazin berührt Fragen, die die Menschen bewegen. Wenn uns manche Antworten nicht gefallen, sollten wir nicht die Fragen unterbinden, sondern nach anderen Antworten suchen." Dagegen sprachen sich 18 Pfarrer und kirchennahe Personen in einem offenen Brief gegen die erneute Einladung des Politikers aus. Dieser vertrete "populistische, sozialdarwinistische und in Teilen rassistische Positionen". Die Kritiker sprechen den Veranstaltern ab, Sarrazin angemessen auf der Bühne Paroli bieten zu können.

Sarrazin selbst freut sich auf Halberstadt. "Ich war noch nie in der Stadt. Ich glaube aber nicht, dass sich diese Veranstaltung sehr von den 50 anderen unterscheiden wird, die ich in den vergangenen sechs Monaten besucht habe", sagte Thilo Sarrazin. Alle Veranstaltungen seien ausverkauft gewesen.

Nach Auskunft der Polizei werde die Kirche mit 25 Beamten in Uniform und in Zivil abgesichert. Hinweise auf links- oder rechtsextremistische Demonstrationen gebe es derzeit nicht.