Quedlinburg. In der historischen Altstadt von Quedlinburg (Landkreis Harz) sind in der Nacht zu Mittwoch drei nebeneinander und leer stehende Fachwerkhäuser fast bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Erst gestern Vormittag hatten die rund 100 Feuerwehrleute die letzten Glutnester gelöscht und das Übergreifen der Flammen auf weitere Häuser verhindert.

Gegen 23.15 Uhr war von Anwohnern der Weingarten-Straße, drei Gehminuten vom Rathaus entfernt, entdeckt worden, dass vom Haus Nummer 6 der Dachstuhl in Flammen stand. Kurze Zeit später brannten auch die beiden angrenzenden Gebäude. Zwölf Bewohner der Straße mussten ihre Häuser verlassen und konnten erst gestern am späten Vormittag zurückkehren.

Der amtierende Oberbürgermeister der Stadt, Wolfgang Scheffler, war in der Nacht selbst vor Ort. "Ein schockierendes Bild. Es bestand jederzeit die Gefahr, dass sich das Feuer in den engen Straßen weiter ausbreitet", sagte er gestern der Volksstimme. Die Evakuierten seien im Feuerwehrgebäude untergebracht worden. Scheffler berichtete: "Dort wurden sie versorgt und konnten auf Feldbetten die Nacht verbringen."

Nach Angaben der Stadtverwaltung standen die Häuser bereits seit Mitte der 1990-er Jahre leer. Die Eigentümer leben zum Teil in anderen Bundesländern. Die Häuser seien jedoch gesichert gewesen. Scheffler sagte: "Die Dächer waren ordentlich gedeckt und die vorderen Fensterfronten unzugänglich gemacht."

Die Brandursachen-Ermittler können wahrscheinlich erst heute ihre Arbeit aufnehmen. Polizeisprecher Peter Pogunke sagte: "Durch den starken Wind, der bereits die Ausbreitung des Feuers beschleunigt hatte, ist es wegen der Einsturzgefahr nicht möglich, die Grundstücke zu betreten." Zuerst müssten einsturzgefährdete Hausteile entfernt werden.

Zur Schadenshöhe, die sich aus der Versicherungssumme ergibt, wurden gestern keine Angaben gemacht. Offiziell auch nicht über die Brandursache. Doch da der Strom in den Gebäuden abgestellt gewesen sein soll und Selbstentzündung nicht in Frage kommt, gehe man von Brandstiftung aus, so Pogunke.

In jüngster Zeit waren in der Harzstadt, die mit ihren rund 1300 Fachwerkhäusern zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, mehrfach Gebäude Brandstiftungen zum Opfer gefallen.