Der zweite Prozess um den Tod eines Asylbewerbers in einer Dessauer Polizeizelle zieht sich voraussichtlich noch Monate hin. Am Freitag sagte ein Polizist, der den tödlichen Brand löschen wollte, als Zeuge vor Gericht aus.

Magdeburg (dpa). Am Landgericht Magdeburg hat am Freitag ein Polizist den Brand geschildert, bei dem vor sechs Jahren der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau starb. Beim Öffnen der Tür sei ihm und dem heute Angeklagten dichter schwarzer Qualm entgegengeschlagen. Während sein Kollege Hilfe holen wollte, habe er eine Decke genommen und versucht, die Flammen zu löschen. Das sei aber nicht gelungen, sagte der 53-jährige Polizist. "Es hat alles gebrannt, von oben bis unten." Der an Händen und Füßen gefesselte Jalloh habe reglos dagelegen.

Der wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Polizeibeamte habe ihn zuvor in seinem Dienstzimmer aufgesucht, und ihn gebeten, mit in die Zelle zu kommen. Er habe von Unregelmäßigkeiten und einem Plätschern berichtet. Nachdem er selbst noch kurz telefoniert habe, sei er ihm hinterher gegangen. Über das Tempo, mit dem die beiden zu der Zelle gingen, gibt es unterschiedliche Aussagen. Am Freitag sagte der Zeuge, sie seien schnellen Schrittes zum Zellentrakt gegangen, in einer Vernehmung bei der Polizei hatte er kurz nach dem Ereignis nur von "gehen" gesprochen. Dem angeklagten Polizeibeamten wird vorgeworfen, Jalloh nicht rechtzeitig geholfen zu haben.

Im dem Prozess sind inzwischen viele Polizeibeamte vernommen worden, die an dem 7. Januar 2005 im Revier Dienst hatten. Viele können sich nicht oder nur schlecht an die Ereignisse erinnern, teils widersprechen sich die Aussagen. In einem ersten Prozess vor dem Landgericht Dessau-Roßlau war der Angeklagte freigesprochen worden. In Magdeburg wird seit dem 12. Januar erneut verhandelt, weil der Bundesgerichtshof Lücken in der Beweisführung bemängelt hatte. Der Angeklagte hatte im neuen Prozess zugegeben, mindestens einmal einen Alarm aus der Zelle ausgestellt zu haben. Er habe wohl an eine Fehlfunktion gedacht.

Die Polizei hatte Jalloh auf das Revier mitgenommen, weil er Frauen belästigt haben soll und sich nicht ausweisen konnte. Weil er sich heftig wehrte und bei ihm fast drei Promille Alkohol im Blut festgestellt wurden, wurde er an Händen und Füßen auf einer Matratze gefesselt. Das Feuer, bei dem er ums Leben kam, soll er selbst mit einem Feuerzeug entfacht haben. Wie es in die Zelle gelangte, ist ungeklärt.