Magdeburg (bk/dpa). "Hmm, sieht mir ja ähnlich", urteilte Sachsen-Anhalts scheidender Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) gestern, als er zum ersten Mal sein Porträt in der "Ahnengalerie" der Staatskanzlei sah. Das Bild, wie die übrigen Porträts der Ministerpräsidenten vom Magdeburger Maler und Grafiker Rudolf Pötzsch gezeichnet, fand somit Gnade vor den Augen des Mannes, der solcherart Schaustellung gewöhnlich nicht viel abgewinnen kann.

Dann ging der Blick des 75-Jährigen nach links. Dort hängt das Porträt seines Vorgängers Reinhard Höppner (SPD). Aus dem Hintergrund eine Stimme: Das ist aber nicht sehr ähnlich. Böhmer trocken: "Das war vielleicht Absicht."

Zuvor hatte sich Böhmer – wohl zum letzten Mal – öffentlich politisch geäußert. Er wünsche sich Politiker, die "eine gewisse innere Unabhängigkeit mitbringen und auch im politischen Geschäft nicht verlieren". Er selbst habe es immer als einen "besonderen Luxus betrachtet", eine eigene Meinung zu haben und sei damit auch nicht schlecht gefahren.

Diese Unabhängigkeit bekomme man beispielsweise durch die Möglichkeit, in einen anderen Job zu wechseln. Dies sei auch der Fall bei ihm als Frauenarzt gewesen, sagte der CDU-Politiker. Wenn man direkt existenziell abhängig sei, "dann ist es mit der Unabhängigkeit meistens nicht weit her", so Böhmer.