In drei Monaten startet zur Funkausstellung in Berlin bundesweit das neue Digitalradio. Es überträgt mehr Programme in besserer Qualität. Doch in Sachsen-Anhalt wird der Süden beim Senderausbau bevorzugt. Nördlich des Harzes soll nur ein Funkturm – 30 Kilometer nordöstlich von Magdeburg – das Digitalradio senden. Die Altmark wird frühestens ab 2014 versorgt.

Magdeburg. Radio wird heute in der Regel über Ultrakurzwelle (UKW) gehört. Das bleibt auch so, eine UKW-Abschaltung ist in Deutschland nicht geplant. Technisch ist die analoge UKW-Übertragung aber ein alter Hut. Sie wird in den nächsten Jahren europaweit durch den digitalen Hörfunk "Digital Audio Broadcasting" (DAB) abgelöst. DAB-Radio – inzwischen als Digitalradio bezeichnet – kann mehr Programme und Datendienste in besserer Qualität übertragen.

In Deutschland wurde die DAB-Einführung mit einer ähnlichen Signalstärke wie UKW jahrelang von bürokratischen Streitereien verhindert. Auf der Funkausstellung in Berlin soll nun aber ab 1. August der langsame Abschied von UKW beginnen. Das Digitalradio wird ab diesem Tag bundesweit mit starker Leistung (10 kW) abgestrahlt. Übertragen werden bekannte regionale Hörfunkprogramme und – das ist neu – Programme mit bundesweiten Übertragungsrechten (Infokasten). Zum Empfang nötig ist ein DAB-Digitalradiogerät. Solche Radios werden zunehmend in allen Preiskategorien angeboten werden. Ein UKW-Radio eignet sich nicht zum Empfang von Digitalradio.

Längst nicht jeder Radiohörer wird aber in diesem Jahr bereits in den Genuss eines digitalen Empfangs kommen. Zwar startet das Digitalradio bundesweit in den Ballungszentren, wieviel Jahre aber der flächenhafte Ausbau der Sendeturm-Logistik dauern wird, ist derzeit noch nicht absehbar. In Sachsen-Anhalt hält sich die zuständige Landesmedienanstalt auch drei Monate vor Sendestart bedeckt mit Informationen. Hintergrund ist, die Verträge zwischen dem MDR, den privaten Rundfunkanbietern und dem technischen Betreiber des neuen Netzes, der Firma "Media Broadcast" (ehemals Telekom-Tochter T-Systems), sind nach Volksstimme-Informationen noch nicht unterschrieben. Allerdings besteht wohl weitgehende Einigkeit.

Die der Volksstimme vorliegende Planung sieht lediglich vier kleine Ein-kW-Sender im Süden des Landes und auf dem Brocken vor. Damit ist ein Empfang in Gebäuden bereits in wenigen Kilometern Entfernung kaum möglich. Zum 1. August soll zunächst nur ein Zehn-kW-Sender auf dem Petersberg etwa zehn Kilometer nördlich von Halle auf Sendung gehen. Ab dem 1. Januar 2012 folgt ein zweiter Zehn-kW-Sender auf dem Kapaunberg nordöstlich von Magdeburg an der Autobahn A2. Frühestens 2014 soll das Sendenetz in Sachsen-Anhalt weiter ausgebaut werden. Ob das passiert und wo genau der Ausbau erfolgt, werde erst später entschieden, heißt es bei den Rundfunkanbietern.

Nach dieser Planung bleibt die Altmark ohne Digitalradioempfang. In Niedersachsen wird ab 1. August lediglich ein einzelner Zehn-kW-Sender in Hannover seinen Betrieb aufnehmen. Eine Abstrahlung im Raum Braunschweig/Wolfsburg, von der auch die westliche Altmark profitieren würde, ist nicht vor 2014 vorgesehen, informierte die Landesmedienanstalt Niedersachsen auf Nachfrage.

Einen Kompromiss stellt die Sendeanlage auf dem Kapaunberg dar. Magdeburg würde eigentlich über den neuen Funkturm im nördlichen Stadtgebiet optimal versorgt werden. Der vom Stadtzentrum 30 Kilometer entfernte Kapaunberg soll aber nicht nur die Stadt, sondern auch weite Teile der Autobahn A2 mit versorgen. Von dieser Entscheidung profitiert das Jerichower Land, südliche Stadtgebiete von Magdeburg, Schönebeck und dem westlichen Bördeumland könnte daraus ein Nachteil erwachsen. Die Empfangsprognose in der Karte (Bild) geht auf eine bislang unveröffentlichte Darstellung aus Arbeitsunterlagen der Landesmedienanstalt zurück.

Der bevorzugte Ausbau des Digitalradios im Süden Sachsen-Anhalts geschieht aus Kostengründen. Finanziert wird der Sendernetzaufbau durch Rundfunkgebühren und durch Beiträge der privaten Rundfunkanbieter. So bezahlt zum Beispiel Radio SAW nach eigener Darstellung einen "niedrigen sechsstelligen Eurobetrag pro Jahr" für den Aufbau des Digitalradionetzes.

"Der Ausbau muss sich refinanzieren lassen. Deshalb beginnt er zunächst im bevölkerungsreichen Süden", so der in der Landesmedienanstalt zuständige Geschäftsführer, Michael Richter. Mehr Hörer sorgen bei den Radiosendern auch für höhere Werbeeinnahmen.Michael Richter ist zuversichtlich, dass dem Digitalradio die Zukunft gehört. "Das ist erst die erste Ausbaustufe, bei der bundesweit 27 Sender an den Start gehen. 110 sollen es in einigen Jahren sein", sagt er. Auch in Sachsen-Anhalt werde sich die Digitalradio-Versorgung stetig verbessern, glaubt der Geschäftsführer. Meinung