Magdeburg. Der Mann, der seit fast 20 Jahren die Justiz Sachsen-Anhalts auf Trab hält und bei Amtsgerichten ebenso wie beim Bundesgerichtshof als sogenannter falscher Rechtsanwalt bekannt ist, steht im Mai erneut vor Justitias Schranken.

Hans-Joachim R., der als "Rechtsbeistand für alle Lebenslagen" einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte, dessen Führungszeugnis ein langes Vorstrafenregister aufweist und der bei Mitarbeitern der Justiz berüchtigt ist, steht beim Landgericht Magdeburg erneut als Angeklagter im Mittelpunkt von zwei Berufungsverfahren.

So muss sich R. ab 17. Mai vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Magdeburg unter Vorsitz von Dirk Sternberg wegen der Verletzung gewerberechtlicher Vorschriften verantworten.

R. war in dieser Sache am 28. Juli 2010 vom Amtsgericht Magdeburg zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden.

Ihm war im Oktober 2004 wegen Unzuverlässigkeit untersagt worden, das bis zu Acht-Betten-Hotel "Berliner Hof" in Warburg (Landkreis Höxter) zu betreiben sowie die selbständige Ausübung eines jeglichen anderen Gewerbes nach Paragraf 35 der Gewerbeordnung.

Trotzdem soll R. 2005 mit einem Bekannten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und als Geschäftsführer das Kurhotels garni "Astoria" bei Templin (Brandenburg) betrieben haben. Obwohl ihm das untersagt war.

R. war gegen das Urteil des Amtsgerichts Magdeburg in Berufung gegangen. Geladen zum Verfahren in 2. Instanz sind drei Zeugen.

Mitverhandelt werden zugleich zwei Berufungssachen der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Hintergrund sind zwei Schreiben des Angeklagten R. vom 16. Juli 2008 und 27. April 2010. In beiden Fällen war R. zuvor vom Magdeburger Amtsgericht freigesprochen worden.

Es geht um zwei Briefe. Der erste Brief war an die Staatsanwaltschaft Magdeburg gerichtet. Darin soll Hans-Joachim R. den Oberstaatsanwalt Sebastian Staufenbiel beleidigt haben. R. habe den Ankläger als "Rechtsbrecher" bezeichnet und soll unter anderem geschrieben haben, dass die Tage Staufenbiels "bei der Justiz gezählt" seien.

Seinen langjährigen Hausarzt Dr. Hans-Peter Ferchland, der zu keiner Zeit etwas mit der Stasi zu tun gehabt hat, soll R. in einem zweiten Brief der Tätigkeit für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) bezichtigt haben. Er soll ihn als "einen in der Justizeinrichtung bekannten Arzt des MSF" (nicht MfS) bezeichnet haben. Auch dieser Anklagepunkt wird nun erneut verhandelt.

Vor der 8. Strafkammer des Landgerichts beginnt am 24. Mai unter Vorsitz von Ulf Majstrak ein Berufungsverfahren gegen den "selbsternannten Rechtsanwalt" und "Rechtsberater in allen Lebenslangen" R.

Er war am 23. März 2010 vom Amtsgericht Magdeburg wegen "Urkundenfälschung durch Benutzung einer gefälschten Wochenkarte" verurteilt worden.

R. hatte eine Wochenkarte benutzt, deren Gültigkeitsbeginn mit rotem Kuli vom 5. oder 15. November 2009 auf den 18. November 2009 verändert worden war. Das Amtsgericht Magdeburg hatte R. am 23. Oktober 2010 zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt. Dagegen hatte R. Berufung eingelegt.

Die Strafkammern des Landgerichts Magdeburg müssen nun über Schuld oder Unschuld des Justiz-Dauergastes und mehrfach vorbestraften Hans-Joachim R. entscheiden.