Berlin (dpa). In Deutschland lebt vermutlich eine Million Menschen weniger als die von Politik und Verwaltung derzeit angenommenen 81,8 Millionen Einwohner. Davon geht der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, aus.

Am 9. Mai ist der Stichtag für den Zensus 2011, der genaue Zahlen liefern soll. Wagner ist Vorsitzender der unabhängigen Zensus-Kommission, die die Zählung wissenschaftlich begleitet.

"Das Hauptziel besteht darin, die genaue Zahl der Bevölkerung festzustellen, in Deutschland insgesamt und in jeder einzelnen Gemeinde und Stadt", erklärte Wagner. Denn von Bevölkerungszahlen hänge unter anderem der Finanzausgleich innerhalb Deutschlands und innerhalb der Europäischen Union ab. Auch Wahlkreise werden anhand der Bevölkerungszahl zugeschnitten. Bei einem Umzug müssten sich Bürger aber nicht abmelden. Deshalb geht Wagner davon aus, dass in Deutschland weniger Menschen leben, als man momentan glaubt.

Möglicherweise ergibt die "Volkszählung" nach Angaben Wagners auch, dass die Bevölkerungszahl von Hessen überschätzt wurde. Das Bundesland könnte dann einen Sitz im Bundesrat verlieren.

Direkte Zusammenhänge zwischen den Zensus-Zahlen und politischen Entscheidungen sieht Wagner aber nicht. "Staatliche Planung und politische Entscheidungen hängen ja nicht nur von wissenschaftlichen Ergebnissen ab, sondern von zig anderen Dingen", betonte Wagner.