Von Sabrina Gorges

Magdeburg (dpa). Der Verein Technische Denkmale in Sachsen-Anhalt hat vom Bund gefordert, das 2006 stillgelegte und europaweit einmalige Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee noch im Sommer wieder zu öffnen. "Dieses Denkmal verrottet, obwohl sein Betrieb aus ökologischer und touristischer Sicht nachweisbar vernünftig ist", sagte der Vereinsvorsitzende Reiner Riegg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Das historische Bauwerk war geschlossen worden, weil nebenan seit 2003 die Schleuse Rothensee arbeitet. Der Bundesrechnungshof stufte das Hebewerk als nicht mehr rentabel ein. Morgen will der Verein mit Partnern zum dritten Mal beim "Tag des Schiffshebewerks" für dessen Wiedereröffnung protestieren.

Über das auch heute noch voll funktionsfähige Schiffshebewerk gelangten Schiffe seit 1938 vom Mittellandkanal in die tie-fer gelegene Elbe und zurück. Riegg und seine 60 Vereinskollegen setzen sich seit der Stilllegung für die Wiedereröffnung des Denkmals ein. "Das Aus ist sogar ungesetzlich, weil im Planfeststellungsverfahren zum Bau des Wasserstraßenkreuzes eindeutig festgeschrieben wurde, das Hebewerk für Klein- und Freizeitschifffahrt zu erhalten", sagte Riegg. Seit 2009 unterstütze der Verein deshalb eine Klage von Wassersportlern und der Weißen Flotte Magdeburg, über die bis heute nicht entschieden sei. "Es geht um eine klare Fehlentscheidung des Bundes, die es zu korrigieren gilt."

Der Verein will einen saisonalen Betrieb des Schiffshebewerks von März bis Oktober im Einschichtsystem. Die Kosten belaufen sich Riegg zufolge pro Jahr auf rund 270000 Euro. "Das Land, die Stadt Magdeburg, die angrenzenden Landkreise, Städte und der Verein haben bereits beschlossen, das Geld gemeinsam aufzubringen", sagte Riegg. "Wir haben viele Partner mit ins Boot geholt, weil alle von der Daseinsberechtigung eines aktiven Schiffshebewerks überzeugt sind." Jetzt müsse der Bund reagieren.

Vor allem touristisch habe das technische Denkmal eine große Anziehungskraft, beispielsweise für das Tourismusprogramm "Blaues Band". "Es gibt Menschen, die sich die Hebevorgänge anschauen und Wasserwanderer, die diesen Schiffs-Fahrstuhl nutzen, weil es ein Reisehöhepunkt ist." Und gerade sie seien auf ein funktionierendes Schiffshebewerk angewiesen.

"Kleine Boote ohne Motor können die benachbarte Schleuse gar nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen passieren. Viele Wassersportler und Kleinboote machen deshalb einen Bogen um Magdeburg", sagte Riegg und betonte, die Wichtigkeit der Sparschleuse. "Sie stellt niemand infrage. Große Schubverbände passen nun mal nicht durch das Hebewerk, aber für die Freizeitschiffer ist es unersetzlich."

www.technischedenkmale.de