Schon morgens um 9 Uhr sagt ein Sicherheitsbeamter, dass an der Strecke, die das Ehepaar nach der Trauung mit der Kutsche entlangfährt, alles wegen Überfüllung gesperrt ist und man auf die öffentliche Übertragung im Hyde-Park ausweichen soll.

Ein paar Schleichwege später stehe ich jedoch an der "Mall". In fünfter Reihe und illegal auf einer Grünfläche. Die Stimmung ist ausgelassen. Vor allem, als Mitglieder der englischen Garde Gute-Laune-Lieder wie "Copacabana" anstimmen. Die Zuschauer, fast alle wenigstens mit der Fahne, dem "Union Jack", ausgestattet, wippen im Takt mit. Die ganz vorn am Zaun haben für ihre Spitzenplätze wenigstens eine Nacht vorher dort campiert.

Um 10.45 Uhr Ortszeit fährt die Queen vorbei. Trotz all meiner Bemühungen – das Auto war zu schnell. Als der Rolls Royce mit Kate Middleton zur Trauung fährt, brandet noch einmal Jubel auf. Danach kehrt Ruhe ein. Die Zeremonie kann keiner sehen, sondern nur über Lautsprecher hören. Bei den Hymnen singen alle mit, die den Text kennen oder im offiziellen Programmheft lesen.

Den Moment, wenn die Eheleute William und Catherine mit der Kutsche vorbeifahren, will keiner verpassen. So schnell, wie sie zur Kirche gefahren sind, saust auch die Kutsche vorbei. Nach vier Stunden Wartezeit habe ich die Braut noch nicht einmal gesehen. Es gibt allerdings den Tipp, nach der Parade noch zu warten. Angeblich öffnen die Polizisten die Absperrungen und man könnte auf der Straße zum Buckingham Palast laufen – und dort DEN KUSS live erleben.

Inmitten von Hunderttausenden erreiche ich den Platz vor dem Palast, sehe den geschmückten Balkon. Die Aufregung steigt, die Erwartungshaltung auch. Das Warten soll sich doch gelohnt haben. Nun ist in Sekundenschnelle die wichtige Entscheidung zu treffen, ob man links oder rechts am Brunnen vorbeilaufen will – nur keinen Fehler machen! Links erweist sich als die richtige Wahl. Ich weiß, dass es um 13.25 Uhr zum Kuss kommen soll. Als am Fenster geruckelt wird, jubele ich selbst vor Freude mit. Zum ersten Mal an diesem Tag stellt sich Gänsehaut ein. Und zum ersten Mal sehe ich auch Kates Kleid und ihr offenes Haar.

Der Kuss selbst ist so schnell vorbei, dass die Masse nach Wiederholung verlangt. Auch ich. Schließlich habe ich den ersten beim Fotografieren nicht erwischt, zu viele Fahnen, Handys und Kameras im Weg. Beim zweiten klappt’s. Nachdem die Fliegerstaffel zweimal über uns kreuzte, ist die Hochzeit des Jahrhunderts für die Öffentlichkeit vorbei.