Magdeburg (dpa/vs). Im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh haben sich Richter, Anwälte und Sachverständige selbst einen Eindruck vom Tatort verschafft. Sie besichtigten am Donnerstag das Polizeirevier in Dessau-Roßlau, wo Jalloh im Januar 2005 ums Leben gekommen war. Obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war, soll er seine Matratze mit einem Feuerzeug angezündet haben. Angeklagt ist ein 50 Jahre alter Polizist wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er soll Jalloh nicht rechtzeitig geholfen haben.

Das Gericht sah sich unter anderem den Dienstplatz des angeklagten damaligen Dienstgruppenleiters an. Der Angeklagte beschrieb, was sich seit dem Vorfall dort geändert hat und führte durch die Räume. Auch die Gewahrsamszelle, in der Jalloh starb, wurde in Augenschein genommen. Dort finden sich inzwischen keine Spuren mehr von dem Geschehen. Die Wände sind weiß gefliest, der Fußboden beige und der Gewahrsamstrakt im Polizeirevier wird heute nicht mehr genutzt.

Das Gericht befasste sich auch mit der Frage, inwieweit Rufe aus der Zelle innerhalb des Polizeireviers zu hören sind. Versuchsweise schrie jemand aus der Zelle um Hilfe.

Das Landgericht Magdeburg verhandelt bereits seit dem 12. Januar über den Fall. Es versucht zu klären, wie Jalloh ums Leben kam und ob der angeklagte Polizist eine Schuld trägt. In einem ersten Prozess vor dem Landgericht Dessau-Roßlau war der Mann freigesprochen worden. In Magdeburg wird erneut verhandelt, weil der Bundesgerichtshof Lücken in der Beweisführung bemängelt hatte.
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