Das neue Online-Portal der AOK und der Barmer GEK als Orientierungshilfe bei der Arztsuche ist auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Während die Adressen im Internet gestern zeitweilig überlastet waren und sich 800 Benutzer, die den Test machen konnten, anerkennend äußerten, gab es aus der Ärzteschaft auch kritische Stimmen.

Magdeburg. Von den 33 Fragen, die auf der "Weissen Liste – Ärzte" angekreuzt werden können, sei die Nr. 32 von besonderer Bedeutung, sagt Peter Willenborg vom AOK-Arztnavigator. "Würden Sie diesen Arzt Ihrem besten Freund/Ihrer besten Freundin weiterempfehlen?", heißt sie, und die Auswertung der Antworten steht unter dem Namen des Arztes an erster Stelle. "In den drei Ländern, in denen das Internetportal vor seiner bundesweiten Öffnung getestet wurde, erhielten die Ärzte einen Durchschnittswert von 93,7 Prozent", sagte Willenborg. Damit würde schon deutlich, dass mit der Fragebogenaktion niemand an den Pranger gestellt werden soll.

Diese Befürchtung wurde von Ärzten geäußert. So rief der Ehemann einer Magdeburger Ärztin in der Redaktion an und beklagte sich, dass seine Frau Schmähungen erdulden musste, allerdings bei dem Portal "sanego.de". Der Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Henning Friebel, bezweifelt, ob ein Online-Portal die Arbeit von Ärzten bewerten könne. "Der neue Arztnavigator zweier großer Krankenkassen kann dazu führen, Misstrauen zu säen", sagte Friebel. Die Vertrauensbasis der Arzt-Patienten-Beziehung werde "erheblich erschüttert".

Peter Willenborg und Kai Behrens von Barmer GEK-Arztnavi widersprachen dem. "Im Unterschied zu den meisten bestehenden Arztbewertungsportalen im Internet sind bei unserer Befragung keine Freitextfelder vorgesehen", sagten sie. "So werden Diffamierungen oder unsachgemäße Meinungsäußerungen von Patienten ausgeschlossen." Die Fragen seien von Wissenschaftlern in Absprache mit Ärzten ausgewählt worden, um eine faire Bewertung zu ermöglichen.

Das Fehlen von Freitextfeldern wird auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt gelobt. "Dadurch können Ärzte nicht beschimpft werden", sagte KV-Vorstand Mathias Tronnier. Kritisch werde es, wenn Patienten ärztliches Tun beurteilen sollten. Das sei hier aber nicht der Fall.

"Toll finde ich den Arztnavigator, wenn ich irgendwo neu hinziehe und einen Arzt in der Umgebung suche", sagte Kristin Heiß aus Magdeburg. "Da habe ich nicht nur eine Übersicht, sondern auch gleich eine Beurteilung, die mir hilft."

Wer teilnehmen möchte, muss seine Kartennummer und ein Passwort eingeben. So soll Missbrauch ausgeschlossen werden. Sind mindestens zehn Bewertungen für einen Arzt vorhanden, wird das durchschnittliche Ergebnis ins Netz gestellt.