Magdeburg. Seit einem halben Jahr wird in den Kommunen der neue Personalausweis in Scheckkartengröße ausgegeben. Doch seine wichtigste Funktion, die Möglichkeit, sich mit ihm auch im Internet auszuweisen, kann in Sachsen-Anhalt kaum benutzt werden. Nach Auskunft von Behörden wird sich daran sobald auch nichts ändern.

Dabei wurde zum 1. November 2010, als die Ausgabe des neuen Personalausweises bundesweit begann, der Mehrwert dieser Karte an Sicherheit in der digitalen Welt stets als wichtiges Argument seiner Einführung betont. Auch die hohen Kosten - Erwachsene bezahlen 28,80 Euro für den Ausweis – wurden damit begründet. Der damalige Bundesinnenminister, Thomas de Maizière (CDU), hatte noch im November in seinem Wohnort Dresden persönlich einen Ausweis beantragt, weil "ich mich darauf freue, mich künftig deutlich sicherer als bisher in der digitalen Welt bewegen zu können", so de Maizière damals. Von Freude an digitaler Sicherheit kann sechs Monate nach Einführung des Ausweises keine Rede sein.

So informierte das Finanzministerium von Sachsen-Anhalt auf Nachfrage, dass weder Finanzämter noch andere untergeordnete Behörden den Ausweis zur Online-Identifizierung akzeptieren. Daran werde sich auch 2011 nichts ändern. Und Behörden des Innenministeriums? "Die neue Verwendungsform des Personalausweises befindet sich im Wirkungskreis des Innenministeriums in der Konzeptionsphase", heißt es dort. Derzeit werden in Zusammenarbeit mit dem Landesrechenzentrum "Möglichkeiten des Einsatzes ausgelotet". Jegliche Identifizierung gegenüber Behörden sei künftig online denkbar. Umsetzungstermine nennt das Innenministerium nicht.

Zur Verwendung des Ausweises im Internet ist am heimischen Computer ein Lesegerät notwendig. Das bislang einzige, vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik für die "qualifizierte Signatur" als sicher zertifizierte Gerät – der "Reiner-SCT cyberJack komfort" – gibt es im Handel noch nicht zu kaufen. Der Einsatz von Lesegeräten ohne eigene Tastatur, die als nicht so sicher gelten, ist möglich. Nicht hilfreich ist allerdings, dass vom Bundesamt bislang nur Treiber-Software für Windows-Computer verbreitet wurde. Apple-Rechner-Besitzer haben Pech.

Bislang verpassen sie aber auch nicht viel – wenn sie zum Beispiel auf das Internet-Portal der Landeshauptstadt Magdeburg gehen. "Es gibt dort derzeit noch keine Möglichkeit, bei Online-Behördengängen diesen Ausweis einzusetzen", informiert Stadt-Pressesprecher Michael Reif. Frühestens 2012 sei an eine Einführung zu denken. Genau 9406 Bürger haben in Magdeburg den neuen Ausweis bislang ausgehändigt bekommen. Marco Hauffe, Bereichsleiter Anwendungen beim kommunalen Online-Dienstleister der Stadt Magdeburg KID, nennt Gründe, warum diese Ausweise online bislang nicht "vorzeigbar" sind: "Der Bund hat bezüglich der Nutzung der elektronischen Identität auf dem neuen Ausweis die Anforderung an die Technik sehr hoch gesetzt. So ist der Aufbau einer besonderen Server-In-frastruktur erforderlich." Hohe finanzielle Aufwendungen seien notwendig. Auch seien die Einsatzszenarien der Identitätsfunktion des Ausweises auf Bundesebene noch nicht umfassend festgelegt.

Ein paar Serviceleistungen mit Online-Identifizierung gibt es dennoch bereits, hat der IT-Internet-Nachrichtendienst heise.de herausgefunden. Die Deutsche Rentenversicherung und die Arbeitsagentur akzeptieren den neuen Ausweis auf ihren Internetseiten. Und in den Städten Münster und Hagen kann mit ihm die Hundesteuer und die Elektroschrott-Abholung angemeldet werden. Das ist doch immerhin ein Anfang.