Dessau. Das Landgericht Magdeburg verhandelte im Verfahren um den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh gestern am Ort des Geschehens, dem Polizeirevier in Dessau. Der Asylbewerber war im Januar 2005 in Polizeigewahrsam in einer Verwahrzelle verbrannt. Die Umstände sind bis heute unklar. Am Magdeburger Landgericht wird nach einer Berufungsklage seit Jahresbeginn in der Sache verhandelt.

Im Polizeirevier machten sich das Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Sachverständige ein Bild von den räumlichen Gegebenheiten. Den etwa 25 Prozessbeteiligten wurden der ehemalige Büroplatz des angeklagten Dienstgruppenleiters im ersten Obergeschoss, Treppenhäuser, Flure und auch der Arrestkeller gezeigt. Um die Frage zu klären, ob Schreie des Inhaftierten auch im ersten Obergeschoss noch hörbar gewesen wären, fand ein makaberes Experiment statt. Ein Polizeibeamter musste in der geschlossenen Zelle um Hilfe rufen. Seine Schreie waren auch in den oberen Stockwerken noch hörbar, berichteten Prozessbeteiligte.